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Erste Hilfe für steife Nacken

Dehnen - aber richtig

Ob durch Zugluft oder falsches Liegen: Ein steifer Nacken ist höchst unangenehm. Hier gibt es Tipps, was bei akuten Beschwerden hilft.

Nackensteife: Objektiv nicht nachvollziehbar?

Der steife Nacken wird gern mit Zugluft in Verbindung gebracht: Ein kaum bemerkbarer, konstanter Luftzug kühlt den Nacken aus und die Gefäße ziehen sich zusammen. Infolge dessen ist die Muskulatur nicht mehr gut durchblutet und in ihrer Funktion gestört, der Nacken versteift sich und schmerzt. So weit, so gut.

Doch offenbar sind die Zusammenhänge deutlich komplizierter, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Dabei wurden 20 Frauen mit und 18 ohne Nackenschmerzen zu subjektiv empfundenem Schmerz und Nackensteifigkeit befragt und die Muskelspannung gemessen. Anders als erwartet waren die Muskelschichten der Frauen mit Nackenschmerzen und -steifigkeit nicht etwa verspannter, sondern sogar weniger steif als bei den beschwerdefreien Frauen, berichtet Ute Repschläger vom Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK).

Warum die Patientinnen ihre Muskulatur als steif wahrnahmen, obwohl diese nicht messbar steif war, ist unklar. Womöglich sind die tiefen Muskelschichten gestört und benötigen mehr Energie, was zu einem Gefühl der Steifigkeit führen könnte.

Schnelle Hilfe tut Not

Ob objektiv messbar oder nicht — wer einen schmerzhaft steifen Nacken hat, will ihn loswerden. Dafür empfehlen die Physiotherapeut*innen Wärmeanwendungen sowie vorsichtiges Dehnen und Bewegen. Dabei ist es wichtig, nicht sofort nach dem Aufstehen damit loszulegen, sondern erst, wenn der Körper ein wenig in Bewegung gekommen ist. Bei leichten Beschwerden helfen folgende Übungen, die man aufrecht auf einem Stuhl oder Hocker sitzend langsam und bewusst durchführen sollte:

  1. Arm anwinkeln, Faust zur Schulter. Schulter nach unten ziehen, dann den Kopf um 45° nach rechts drehen und zum Boden schauen. Dehnung für mindestens 30 s halten. Wer möchte, kann die rechte Hand zum linken Ohr führen und den Kopf nach vorne und rechts unten ziehen und dadurch die Dehnung verstärken.
  2. Beide Hände an den Hinterkopf legen, Kinn in Richtung Brust senken und Doppelkinn machen. Rücken gerade lassen, Kopf Richtung Brust führen. 30 s anhalten.

Quelle: Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V.

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Fizkes/Shutterstock.com

Tipps gegen müde Bildschirmaugen

Durchblick bewahren

Morgens schnell die Nachrichten-App checken, dann 8 Stunden am PC arbeiten und nach Feierabend vor dem Fernseher mit der Lieblingsserie entspannen? Bei soviel Zeit am Bildschirm ist es kein Wunder, dass die Augen trocken und gereizt sind. Was gegen „Office Eyes“ hilft.

Blinzeln, Lüften und Entspannen

Die moderne Arbeits- und Lebenswelt setzt unseren Augen schwer zu. Doch wer weiß, was die Augen besonders belastet, kann gut gegensteuern.

1.    Öfters Blinzeln. Das gesunde Auge blinzelt circa 20-mal in der Minute. Dieser Automatismus gewährleistet, dass das Auge ständig mit Tränenflüssigkeit benetzt und so feucht gehalten wird. Gleichzeitig spült die Tränenflüssigkeit kleine Schmutzpartikel und Krankheitserreger von der Augenoberfläche fort. Bei der Arbeit am Bildschirm sinkt die Frequenz allerdings auf bis zu 5 Lidschläge pro Minute und der natürliche Schutz des Auges ist nicht mehr gewährleistet.
Das hilft: Immer wieder ganz bewusst blinzeln, um den Tränenfilm besser zu verteilen.

2.    Fenster auf. Trockene Heizungsluft, das Gebläse der Klimaanlage oder schädlicher Zigarettenrauch stressen angeschlagenen Augen zusätzlich. Gereizte, gerötete und müde Augen sind die Folge.
Das hilft: Immer wieder lüften, damit frische Luft zirkulieren kann. Die Fenster am besten für einige Minuten komplett öffnen.

3.    In die Ferne schweifen. Unsere Augen sind eigentlich nicht dafür gedacht, sich über einen langen Zeitraum auf ein Objekt in der Nähe zu fokussieren. Statt aber wie vorgesehen den Blick in die Ferne zu richten, starren die Meisten stundenlang auf den nahen Bildschirm. Die Folge sind müde, überanstrengte Augen.
Das hilft: Immer wieder in die Ferne blicken, damit die Augen entspannen können. Leicht zu merken ist die 20-20-20-Regel. Also alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein mindestens 20 Meter entferntes Objekt schauen.

Geeignete Sehhilfen tragen

Wer beim Arbeiten eine Sehhilfe benötigt, der sollte besonders gut auf seine Augen achten. Ist die Sehstärke schlecht gewählt, sind die Augen gestresst und die Lidschläge reduzieren sich zusätzlich. Zum Beispiel ist die Lesebrille in aller Regel nicht für die Bildschirmarbeit geeignet. Während diese nämlich auf das Lesen in circa 30 Zentimeter Entfernung eingestellt wird, sind die meisten Bildschirme mindestens 50 Zentimeter vom Auge entfernt. Auch Gleitsichtbrillen sind oft nicht optimal, weil der Kopf beim Lesen in den Nacken gelegt wird und sich die Halsmuskulatur verspannt. Meist hilft dann nur der Besuch bei der Optiker*in oder in der Augenarztpraxis, um eine passende Lösung wie zum Beispiel eine Zweiphasenbrille zu finden.

Quelle: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V.

| Von: Sara Steer Bildrechte:sebra/Shutterstock.com

5 Tipps gegen Reflux

Immer wieder Sodbrennen?

Refluxbeschwerden wie Sodbrennen und saures Aufstoßen lassen sich mit Medikamenten gut beherrschen. Doch in vielen Fällen es geht auch ohne Gel und Pillen. Und zwar mit einem gesunden Lebensstil.

Säure am falschen Ort

Magensäure am falschen Ort verursacht eine Reihe von Beschwerden: Gelangt sie beispielsweise in die Speiseröhre, kommt es oft zu saurem Aufstoßen, Schmerzen hinter dem Brustbein und Sodbrennen. Manche Betroffenen leiden aber auch unter Zungenbrennen, Husten oder Atemstörungen; und langfristig drohen Schleimhautschäden bis hin zu Krebs in der Speiseröhre.

Gewichtsreduktion statt Säureblocker

Säureblocker oder säurehemmende Medikamente können das Zurückfließen (also den Reflux) von Säure in die Speiseröhre wirksam verhindern. Doch immer wieder wird betont, dass man Refluxbeschwerden auch mit Lebensstiländerungen gut in den Griff bekommt. Empfohlen werden vor allem diese 5 Tipps:

  • Normalgewicht halten oder erreichen, definiert als BMI zwischen 18,5 und 25,0
  • Nicht rauchen
  • Ausreichend bewegen, d.h. mindestens 30 Minuten pro Tag moderate bis starke körperliche Aktivität
  • Kaffee, Tee und Limo einschränken, d.h. Konsum von jeweils weniger als zwei Tassen davon täglich
  • Ausgewogen ernähren, u.a. mit wenig Zucker und wenig rotem Fleisch.

Übergewicht reduzieren bringt am meisten

Dass die Tipps helfen, zeigten nun amerikanische Forscher*innen anhand der Daten aus der Nurses Health Study.Über 9000 Frauen mit Refluxbeschwerden wurden darin bis zu 10 Jahre lang nachbeobachtet. Die Frauen, die sich an alle 5 Empfehlungen hielten, halbierten ihr Reflux-Risiko im Vergleich zu den übrigen Teilnehmerinnen. Bezogen auf die Bevölkerung ließen sich durch das konsequente Einhalten der Faktoren etwa 37% der Refluxfälle vermeiden, errechneten die Autor*innen.

Doch nicht nur im Fünfer-Pack, auch einzeln beeinflussten die Faktoren das Sodbrennen. Am wichtigsten war dabei das Übergewicht, am wenigsten relevant das Rauchen: So senkte ein Normalgewicht das Refluxrisiko um etwa 30%, das Nichtrauchen um 6%.

Effekte auch unter Säureblocker

In einer Subgruppenanalyse zeigte sich zudem, dass der gesunde Lebensstil auch unter einer Therapie mit säurehemmenden Medikamenten das Risiko für Refluxbeschwerden zusätzlich verringert. Lebensstiländerungen haben also eine große Bedeutung bei der Behandlung der Refluxerkrankung, folgert das Forscherteam, und zwar sowohl mit als auch ohne Säureblocker.

Quelle: SpringerMedizin

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Erkennen Kinder Gefühle trotz Maske?

Wenn die Mimik verdeckt ist

Normalerweise spricht unser Gesicht Bände. Und schon kleine Kinder lernen, die Gefühle anderer Menschen aus ihrer Mimik abzulesen. Doch wie sieht das in Pandemie-Zeiten unter Mund-Nasen-Masken aus?

Sorge um emotionale Entwicklung

Corona macht es zwischenmenschlich nicht leichter. Die Kontakte sind reduziert, und wenn es doch zu einem Miteinander kommt, besteht meist Maskenpflicht. Auch Kinder müssen damit klarkommen, ständig mit Menschen zu interagieren, deren Gesichter teilweise bedeckt sind. Pädagogen und Psychologen fragen sich deshalb, ob die emotionale Entwicklung der Kleinen darunter leidet.

Näher untersucht haben das nun amerikanische Forscher*innen mit Hilfe von 80 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren. Sie zeigten ihnen Fotos von traurigen, ängstlichen oder wütenden Gesichtern, teils ohne Maske, teils mit Mund-Nasen-Schutz und teils mit Sonnenbrille. Die Kinder sollten die Gefühle lesen und sie 6 vorgegebenen Emotionen zuordnen.

Besser als Raten

War das Gesicht frei, erkannten die Kinder in 66% der Fälle die Gefühle richtig. Mit dem Mund-Nasenschutz identifizierten sie 28% der traurigen Gesichter, 27% der wütenden und 18% der ängstlichen. Dabei zeigte sich auch, dass Emotionen in unterschiedlichen Bereichen des Gesichts abgelesen werden. So machten es Sonnenbrillen besonders schwer, Angst und Ärger zu erkennen. Das liegt vermutlich daran, dass für diese Gefühle die Mimik der Augen und Augenbrauen wichtig ist. Angst ließ sich auch unter Mund-Nasen-Masken schwer ablesen und wurde oft — wahrscheinlich weil der Mund nicht erkennbar war — mit Überraschung verwechselt.

Sorgen sind unbegründet

Erwartungsgemäß war es für die Kinder schwieriger, Emotionen von maskierten Gesichtern abzulesen. Doch es gelang ihnen immerhin so gut, dass ein Zufall ausgeschlossen werden konnte. Wenn Kinder Emotionen schon von einer Fotografie ablesen können, gelingt ihnen das im echten Leben noch besser, sind die Autor*innen überzeugt. Denn immerhin helfen dann auch noch Körperhaltung, Stimmlage und die gesamte Situation bei der Einschätzung.

„Kinder passen sich an die Informationen, die sie bekommen, gut an,“ beruhigt deshalb auch die Studienleiterin, „deshalb ist nicht anzunehmen, dass das Maskentragen die emotionale Entwicklung verzögert“.

Quellen: www.kinderärzte-im-netz.de, PLOS one

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Unterschätzt: Depression im Alter

Hohe Selbstmordrate

Wenn Senioren sich sozial zurückziehen und ständig erschöpft sind, wird das häufig aufs Alter geschoben – anstatt wie bei jüngeren Menschen an eine Depression zu denken. Eine Fehleinschätzung mit Folgen: Denn die depressionsbedingte Selbstmordrate im Alter ist in Deutschland fünfmal höher als bei jüngeren Menschen.

Eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter

Depressionen können jeden treffen – auch wenn viele Deutsche das anders einschätzen. Eine Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe mit 5350 Teilnehmern ergab, dass über 80 Prozent glauben, dass Depressionen nur im jungen und mittleren Lebensalter auftreten. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Die Depression ist neben der Demenz eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter, rund 6 Prozent der Senioren sind betroffen.

Symptome richtig deuten

Auch wenn Ältere häufig mit belastenden Ereignissen wie Krankheit, Einsamkeit und Tod von Angehörigen konfrontiert sind – eine Depression ist eine eigenständige Diagnose und hat nichts mit Befindlichkeitsstörungen oder Trauer zu tun. „Depressionen fühlen sich anders an“, betont Stiftungschef und Psychiater Ulrich Hegel. Deren Symptome werden von Angehörigen und Pflegepersonal aber oft aufs Alter geschoben, z.B.

  • Verlust von Lebensfreude, Interessenslosigkeit

  • Ständiges Gefühl von Erschöpfung

  • Appetitlosigkeit und Schlafstörungen

  • Konzentrationsprobleme und innere Unruhe.

Solche Fehleinschätzungen sind wahrscheinlich auch die Ursache, dass nur 12 Prozent der Senioren eine Psychotherapie erhalten – obwohl es sich bei Depression auf Grund der hohen Suizidgefahr um eine potenziell tödliche Erkrankung handelt. Auf die Wirkung der Psychotherapie hat das Alter übrigens keinen Einfluss. Die Heilungsaussichten sind bei alten und jungen Menschen gleich groß.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

| Von: Sara Steer Bildrechte:Ruslan Huzau/Shutterstock.com

Gemeinsame Mahlzeiten gegen Übergewicht

Als Familie gesund und schlank

Gemeinsame Mahlzeiten dienen nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern sind auch ein wichtiges Familienritual. Forscher fanden nun heraus, dass Kinder, die gemeinsam mit der Familie essen, zudem gesünder und schlanker leben. Doch woran liegt das?

Das Zusammenspiel ist entscheidend

Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung an der Universität Mannheim haben insgesamt sechs Faktoren gefunden, die bestimmen, ob ein Kind sich gesund ernährt und schlank bleibt. Zwar trägt jeder für sich nur einen kleinen Teil zu dem Phänomen bei, zusammen genommen ergeben sie jedoch ein Erfolgsrezept für ein gesundes Leben.

Gesunde Ernährung beginnt beim Kochen

Um Kindern ein gesundes Ernährungsverhalten beizubringen, lohnt es sich, sie in alle Schritte der Zubereitung einer Mahlzeit miteinzubeziehen. So können sie regelmäßig üben, was zu einer ausgewogenen Ernährung gehört:

  • Auswahl der Lebensmittel: Gemüse, Obst und Vollkorngetreide sind die Basis einer gesunden Ernährung. Am besten so bunt wie möglich!

  • Vorbildfunktion: Eltern, die gerne viel Gemüse essen, geben die Freude daran an ihre Kinder weiter.

  • Gemeinsames Kochen: Kinder, die schon früh lernen zu kochen, können sich auch als Erwachsene gesund ernähren. Vor allem aber bringt die gemeinsame Zubereitung Spaß für die ganze Familie.

Das Essen gemeinsam genießen

Das Essen ist gekocht, die Familie ist am Esstisch versammelt. Und jetzt? Auch für das Essen gibt Mattea Dallacker vom Max-Plack-Institut wertvolle Tipps: „Familienmahlzeiten führen nicht per se zu einem besseren Essverhalten. Soziale, psychologische und Verhaltensaspekte spielen eine wichtige Rolle“. Konkret bedeutet dies:

  • Fernseher aus: Ohne Ablenkung rücken die Gespräche mit der Familie in den Vordergrund.

  • Positive Atmosphäre: Die gemeinsame Mahlzeit lässt sich als Pause vom stressigen Alltag nutzen.

  • Zeit nehmen: Bewusstes und langsames Essen hilft, das Sättigungsgefühl bewusst wahrzunehmen.

 Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:4 PM production/Shutterstock.com

Starke Waffen gegen Aphthen

Von Schutzgel bis Schwefelsäure

Sie brennen höllisch und machen Essen und Trinken zur Qual: Mundbläschen oder auch „Aphthen“. Sie sind zwar meist harmlos, aber hartnäckig. Abhilfe schaffen Präparate aus der Apotheke, die die Aphthen betäuben, bedecken oder auch verätzen. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wann welche Präparate sinnvoll sind und wie Sie diese richtig anwenden.

Was sind Aphthen und wo sitzen sie?

Aphthen sind runde bis ovale Läsionen, die in der Mundschleimhaut sitzen. Sie können überall im Mund vorkommen, an der Wangenschleimhaut, an der Zunge, am Zahnfleisch oder der Innenseite der Lippen. Erst kribbeln sie, dann werden sie zu kleinen Geschwüren und brennen höllisch, wenn sie mit Essen, Getränken oder der Zahnbürste in Kontakt kommen. Man unterscheidet drei Formen:

  • Minor-Aphthen sind am häufigsten. Ihr Durchmesser beträgt etwa 2—3 mm, selten werden sie bis zu 10 mm groß. Sie kommen einzeln oder in kleinen Gruppen bis zu 4 Aphten vor und heilen nach bis zu 10 Tagen narbenfrei ab.
  • Major-Aphthen sind seltener, sie reichen tiefer ins Gewebe und können bis zu 3 cm groß werden. Deshalb brauchen sie auch mehrere Wochen, bis sie abgeheilt sind. Oft bleiben kleine Narben zurück.
  • Herpetiforme Aphthen sind winzig und tauchen in großer Anzahl auf. Bis zu 100 stecknadelkopfgroße Bläschen können dann den gesamten Mundraum belagern. Sie heilen nach sieben bis 10 Tagen wieder ab.

Abzugrenzen sind diese quälenden, aber harmlosen Aphthen von „aphthoiden Läsionen“. Diese sind Symptome ernsthafter Erkrankungen. So kommen sie beispielsweise im Rahmen entzündlicher Darmerkrankungen, bei HIV-Infektionen oder der Hand-Fuß-Mund-Krankheit vor. Außerdem sehen auch Vorläuferstufen des Mundhöhlenkarzinoms manchmal ähnlich aus wie Aphten. Ein Arztbesuch ist deswegen ratsam, wenn

  • die Aphthen häufig an der gleichen Stelle auftreten
  • ähnliche Bläschen an anderen Stellen des Körpers auftauchen
  • Sie unter mehr als 3 „Aphthen-Attacken“ im Jahr leiden
  • weitere Beschwerden wie Fieber, geschwollene Lymphknoten oder Magen-Darm-Beschwerden hinzukommen.

Hinweis: Mundbläschen oder Aphthen, die nach zwei Wochen nicht abgeheilt sind, müssen immer in einer Arztpraxis abgeklärt werden.

Wo kommen die Dinger her?

Aphthen haben manchmal ganz einfache Ursachen. Zum Beispiel mechanische Reizungen durch schlecht sitzende Zahnspangen oder Gebisse, scharfe Kronen oder Kanten von Zahnfüllungen. Auch kleine Verletzungen der Mundschleimhaut wie bei versehentlichem Wangenbeißen können offenbar Aphthen auslösen. Das gleiche gilt für zu langen Kontakt der Schleimhaut mit bestimmten Medikamenten, zum Beispiel Bisphosphonaten oder Acetylsalicalysäure. Häufig sind die Ursachen jedoch unklar. Diskutiert werden dabei

  • genetische Faktoren, weil die Mundbläschen in manchen Familien gehäuft auftreten
  • hormonelle Faktoren, weil Aphten häufiger bei Frauen vorkommen
  • Vitaminmangel, Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten (z. B. gegen Histamin)
  • Mundtrockenheit, wie beispielsweise beim Sjögren-Syndrom.

Hinweis: Das in Zahnpasta häufig vorhandene Tensid Natriumlaurylsulfat (SLS) soll Aphthen triggern. Im Gegensatz dazu verkürzte in einer Studie das Zähneputzen mit Natriumlaurylsulfat-freier Zahnpasta die Dauer der Abheilung und verringerte die Schmerzen. SLS-freie Zahnpasten sind beispielsweise meridol®Zahnpasta oder elmex Zahnpasta mit Aminfluorid.

Es brennt — und nun?

Um die Mundschleimhaut nicht weiter zu reizen, steht eine Diät an: Günstig sind weiche, lauwarme Speisen wie Pudding oder Kartoffelpüree. Auch Eis tut gut — schon die Kälte wirkt schmerzlindernd. Vermeiden sollte man scharfe, saure und stark gewürzte Speisen sowie kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol.

Um ein sauberes Wundmilieu zu schaffen, sollte man nach dem Essen den Mund auszuspülen, um eventuelle Essensreste zu entfernen. Gut geeignet ist ein Salbeitee aus frischen Salbeiblättern (abkühlen lassen!) oder eine Mundspüllösung aus der Apotheke (zum Beispiel Wala® Mundbalsam flüssig oder Tantum® verde).

Hinweis: Kinder sollten nur dann Mundspülungen verwenden, wenn sie die Flüssigkeit auch wieder kontrolliert ausspucken können.

Schmerzen betäuben, Wundheilung fördern — oder beides?

Zur Behandlung der lästigen Aphthen steht eine Vielzahl von Präparaten zur Verfügung. Einige betäuben den Schmerz, andere fördern die Wundheilung, wieder andere verätzen sie sofort.

  • Betäubung mit Lokalanästhetika. Betäubende Lokalanästheika werden meist als Gel, gepinselt oder als Salbe direkt auf die Aphte aufgebracht. Vor dem Essen aufgetragen lindern sie die Schmerzen während des Kauens. Typische betäubende Wirkstoffe sind Lidocain (zum Beispiel Kamistad® Gel oder Parodontal® Mundsalbe sowie Infectogingi®, das auch für Säuglinge geignet ist), Lauromacrogol (zum Beispiel Recessan 30 mg/ml Salbe oder Solcoseryl®akut Salbe) oder Benzocain (zum Beispiel Anaesthesin® Pastillen). Wer zusätzlich die Abheilung der Aphthe fördern möchte, kann zu Benzydamin greifen. Dieser Indazol-Abkömmling hat sowohl betäubende als auch entzündungshemmende Effekte. Es gibt ihn als Spray zur punktgenauen Applikation, als Lösung zur Herstellung einer Mundspülung und als Lutschtabletten. Difflam® Spray und Tantum Verde® Spray dürfen auch im Kindesalter angewendet werden. Tantum Verde® Lutschtabletten sind für Kinder ab 6 Jahren, die Tantum Verde® Lösung zur Mundspülung erst ab 12 erlaubt.

  • Entzündungshemmende Wirkstoffe. Diese Wirkstoffe helfen bei der Abheilung, die Schmerzen lindern sie jedoch kaum. Pflanzenfreunde können dafür auf eine Mundspülung mit Kamillenblüten zurückgreifen. Aus 10 g Teedroge auf 100 ml Wasser lässt sich ein konzentrierter Aufguss für die Mundspülung selbst herstellen. Als Fertigpräparat eignet sich für Jugendlich ab 12 und Erwachsene das alkoholhaltige Kamillosan® Mund- und Rachenspray oder eine Spülung mit Kamillosan®-Konzentrat (5 ml auf 100 ml Wasser). Ebenfalls fördernd für die Wundheilung ist Dexpanthenol. Als Lösung (zum Beispiel Bepanthen® Lösung) kann es als Mundspülung oder zum Einpinseln verwendet werden und ist auch ohne Einschränkung für Schwangere und Stillende zugelassen. Ähnlich soll auch Hyaluronsäuren wirken, hier stehen Lösungen und Gele zur Verfügung (zum Beispiel Aftamed® Mundgel oder Gengigel®Wundheilungsgel). Wichtig: Alle diese Wirkstoffe müssen nach dem Essen oder Zähneputzen aufgebracht werden und in der ersten halben Stunde sollte nichts gegessen oder getrunken werden.

Adstringenzien. Sie hemmen die Entzündung und Sekretion und tragen dadurch zur schnellen Wundheilung bei. Man verwendet sie als Mundspülung oder trägt sie mit dem Pinsel auf die Läsionen auf. Manche schmecken unangenehm, andere färben Textilien. Es empfiehlt deshalb, vor der Anwendung den Beipackzettel zu lesen. Die Präparate beinhalten zum Beispiel Aluminiumchlorid, Myrrhen-Extrakte, Rhabarberwurzel-Extrakte, Ratanhiawurzel-Extrakte und Pfefferminzöl. Beispiele sind Gargarisma zum Gurgeln, Mallebrin® Konzentrat zumGurgeln, Echtrosept® Mundspülung, Pyralvex® Lösung oder Salviathymol®N Madaus. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren werden Adstringenzien nicht empfohlen.

  • Schutzfilme. Relativ neu auf dem Markt sind Gele, die das Mundbläschen bedecken und es so vor schmerzlicher Reibung mit Nahrungsmitteln schützen. Man trägt sie mit einem Wattestäbchen, einem speziellen Applikator oder als Spray direkt auf. Beispiele sind Aphtofix® Aphten-Creme, Bloxaphte® oral care Mundgel oder Mundspray oder Urgo Aphten Lösung. Manche dieser Präparate enthalten auch zusätzlich Myrrhe (zum Beispiel Legased® natur oder Oroben Aftagen Mundspülung bzw. Gel).
  • Schwefelsäure. Für besonders tapfere Kandidaten gibt es noch eine weitere Art, gegen Aphthen vorzugehen: Die Verätzung mit Schwefelsäure. Das Präparat Oralmedic® enthält einen Wirkstoffkomplex aus Sulfonsäure und Schwefelsäure, der über ein spezielles Wattestäbchen direkt auf die Aphthe gegeben wird. Das ist zwar sehr schmerzhaft, aber effektiv. Es bildet sich ein Wundschorf, der für eine schnelle Abheilung sorgt.
  • Kortison. Wenn antiseptische und/oder betäubende Maßnahmen nicht ausreichen, kommt Kortison ins Spiel. Betroffene über 16 Jahren können — nach Rücksprache mit der Ärzt*in — niedrig dosierte Triamciolon-Hafttabletten(zum Beispiel Aftab® Hafttabletten) rezeptfrei in der Apotheke erwerben. Zweimal täglich dürfen die Kortisontabletten auf die Aphthe aufgebracht werden. Dazu befeuchtet man den Finger, nimmt die Tablette an der orangen, wirkstoffreien Seite auf und drückt sie auf das Bläschen. Dadurch bildet sich ein gelartiger Film, der das schmerzlindernde und entzündungshemmende Kortison freisetzt.

Laser & Co. für schwere Fälle

In schweren Fällen, bei denen die oben genannten Maßnahmen nichts ausrichten können, muss ärztlich eingegriffen werden. Verordnet werden beispielsweise Mundspülungen oder Pinselungen mit Lösungen, die Antibiotika wie Tetrazyklin oder Minocyclin enthalten. Auch Aminosalicyl-Cremes können Größe und Schmerz von Aphthen lindern. Lasern stoppt den Schmerz sofort, wobei die Wirkung 4 bis 7 Tage lang anhält.

Bleiben die Aphthen unbeherrschbar, kommt auch eine systemische Therapie, d. h. eine Therapie über den Blutweg mit oral einzunehmenden Arzneimitteln zum Einsatz. In Einzeltherapie oder kombiniert werden dazu Kortisone, Colchizin, Pentoxifyllin und Immunsuppressiva wie Interferon-alpha verwendet. Aufgrund der nicht unerheblichen Nebenwirkungen sind diese Therapieregimes therapieresistenten oder besonders ausgeprägten Fälle vorbehalten.

Sabine Werner, DAZ 2020; 44: 44; Andreas Altenburg et al, Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 665-73

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Andrey_Popov/Shutterstock.com

Nahrungsergänzung im Blick: Vitamin A

Sinn oder Unsinn?

Vitamin A, Retinol oder Karotinoide – Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin A gibt es viele. Doch wie unterscheiden Sie sich und für wen lohnt sich der Kauf?

Was ist der Unterschied?

Vitamin A kommt im Stoffwechsel in vielen verschiedenen Formen vor. Die Namen der vielen Verbindungen sind oft nicht leicht zu durchblicken:

  1. Das im Körper wirksame Vitamin A wird chemisch auch Retinol genannt.
  2. Karotinoide sind eine Vorstufe vom Vitamin A. Sie werden erst im Körper zu Vitamin A umgewandelt und werden deshalb auch als Provitamine bezeichnet. Das bekannteste Karotinoid ist ß-Karotin.
  3. Retinsäure ist eine Art „Endstation“ im Vitamin-A-Stoffwechsel: Sie entsteht aus Vitamin A, kann jedoch nicht mehr in das Vitamin umgewandelt werden.

Viele Verbindungen, viele Funktionen

Jede der Vitamin-A-Formen hat ihre eigene Aufgabe im Stoffwechsel. Retinol ist besonders wichtig für das Sehen, sodass es bei einem Mangel zu einer Nachtblindheit kommt. ß-Karotinoide erfüllen gleich zwei Funktionen: Sie werden in Vitamin A umgewandelt, wirken aber auch als Antioxidanz und schützen so zum Beispiel vor Atherosklerose. Retinsäure ist zusammen mit Vitamin A wichtig für die Fortpflanzung und die Haut. Mögliche Folgen eines Mangels sind Unfruchtbarkeit oder trockene, schuppige Haut.

Welches Nahrungsergänzungsmittel ist das richtige?

Gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen decken ihren Vitamin-Bedarf in der Regel gut durch die Nahrung. Besonders viel Vitamin A steckt in tierischen Produkten, wie Fleisch und Wurst, aber auch in Gemüse wie Paprika, Karotten oder Spinat. Wer zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte diese Regeln beachten:

  1. ß-Karotin steht im Verdacht, Lungenkrebs bei Rauchern zu fördern- sie sollten also lieber auf ß-Karotin-haltige Nahrungsergänzungsmittel verzichten.
  2. Zu viel Vitamin A verursacht Übelkeit, Kopfschmerzen oder Haarausfall. Nahrungsergänzungsmittel mit mehr als 0,2 Milligramm Retinol sind deshalb nicht empfehlenswert.
  3. In hohen Dosen schädigt Vitamin A Embryos. Deshalb wird Schwangeren empfohlen, nicht mehr als 3 Milligramm Retinol aufzunehmen. Diese Menge ist bereits in einem kleinen Stück Leber enthalten. Schwangeren sollten deshalb auf große Mengen der Innerei verzichten und vor der Einnahme von Vitamin A oder Retinsäure ihre Arzt*in oder Apotheker*in fragen.

Mehr Informationen zu Vitamin A und den Lebensmitteln, in denen es enthalten ist, erhalten Sie in der Kategorie „Nahrungsergänzungsmittel“.

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:Saharosa40/Shutterstock.com

Comic informiert Kids zu Corona & Co.

Zum Selber-Basteln

Corona und die Pandemieregeln werden Deutschland und die Welt noch eine ganze Weile begleiten. Da ist es wichtig, dass auch Kinder gut Bescheid wissen. Ein Comic zum Selber-Basteln hilft ihnen dabei.

Kleines Buch zum Selberbasteln

Regeln kann man nur befolgen, wenn man sie kennt. Noch besser ist, zu verstehen, warum es diese Regeln überhaupt gibt. Das trifft auch für die aktuelle Corona-Pandemie und die erforderlichen Verhaltensregeln zu. Wie man diese altersgemäß Kindern vermittelt, haben sich Mitarbeiter der Friede Springer Stiftungsprofessur für Globale Kindergesundheit an der Universität Witten/Herdecke überlegt.

Gemeinsam mit einer Künstlerin entwickelten sie für Kinder zwischen sieben und zwölf ein „Zine“ zum Thema Corona. Ein Zine, dessen Name von Magazin stammt, ist eine kleine Publikation, die man aus einem Papier zuschneidet und zu einem kleinen Buch zusammenfalten kann.

Fake News und AHA-Tricks

Hauptthema des Comics ist die zweite Coronawelle, insbesondere die „AHA-Tricks“, das Tragen von Masken und Fake News. „Wir haben ein Zine erstellt, um auf einfache Weise die Coronasituation zu erklären und zu zeigen, dass auch Kinder etwas dagegen tun können“, erklärt Michael Galatsch von der Universität Witten/Herdecke. Die Informationen sind als Comic so verpackt, dass sie Kinder ansprechen. Je nach Alter können sie selbst Bilder dazu malen oder eigene Texte zu vorhanden Bildern schreiben. Wenn die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern das Zine erstellen, gibt das Gelegenheit, anhand von Fakten über das Thema zu sprechen und nachzufragen.

Runterladen, ausdrucken und los geht´s

Zusammengefaltet lässt sich das Zine dann in die Hosentasche stecken. Und im Zweifel schnell nachschlagen, wie viel Meter Abstand man denn nun wirklich einhalten soll. Zum Basteln und Ausdrucken herunterladen lässt sich das Zine hier.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Halfpoint/Shutterstock.com

Worauf Deutsche verzichten wollen

Fastenzeit geht los

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Und immer mehr Deutsche machen dabei mit, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Doch worauf wollen sie am ehesten verzichten?

Alkohol toppt Süßigkeiten

Auch wenn es mit dem Karneval nicht so recht klappt dieses Jahr — die Fastenzeit haben deutsche Männer und Frauen trotzdem im Blick. Und sogar deutlich mehr als in den Jahren zuvor, wie eine aktuelle DAK-Umfrage mit über 1000 Erwachsenen zeigt. So halten 65% davon einen bewussten Verzicht in der Fastenzeit aus gesundheitlichen Gründen für sinnvoll. Das sind doppelt so viele wie 2012. Vor allem 30- bis 44-Jährige stehen einem zeitlich begrenzten Verzicht auf Genussmittel und Konsumgüter positiv gegenüber.

Bei der Hitliste der Verzichtsgüter hat der Alkohol die vorjährig erstplatzierten Süßigkeiten überholt. Womöglich ein Tribut an die Pandemie: Denn bei vielen Menschen haben die Beschränkungen zu Angst und Stress geführt, wodurch der Konsum von Alkohol gestiegen ist. Die Fastenzeit ist ein guter Anlass, sein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen, erklärt Franziska Kath, Diplompsycholgin der DAK-Gesundheit, den vermehrten Wunsch nach Alkohol-Fasten.

Internet-Fasten unbeliebter

Bis auf die getauschten Positionen 1 und 2 gleicht die Rangfolge der TOP-Verzichtsgüter der Liste aus dem Vorjahr. Allerdings wollen die Menschen 2021 auf eines nicht verzichten: Handy und Computer. Die Bereitschaft fürs private Internet-Fasten hat unter Corona von 29% auf 24% deutlich abgenommen. Zum Lockdown passt auch der Anstieg beim Auto-Verzicht: 2020 wollten nur 19% der Befragten den fahrbaren Untersatz stehen lassen, im Jahr 2021 haben das immerhin 24% vor.

Die Hitliste im Einzelnen:

  • Alkohol (73%, vorher 65%)
  • Süßigkeiten (68%, vorher 67%)
  • Fleisch (54%, vorher 47%)
  • Rauchen (45%, vorher 38%)
  • Fernsehen (39%, vorher 37%)
  • Handy, Computer (24%, vorher 29%)
  • Auto (24%, vorher 19%).

Fastenfreudiger Süden

Am häufigsten gefastet wird nach der aktuellen DAK-Umfrage im Süden. Dort geben bis zu 73% an, schon mindestens einmal bewusst Verzicht geübt zu haben. Im Osten ist das Fasten weniger populär, hier liegt die Quote mit 56% deutlich niedriger.

Quelle: DAK

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Richtiges Händewaschen bei Kindern

Mit Alphabet und Seife

Händewaschen ist auch für die Kleinsten wichtig. Ob auf dem Spielplatz, in der Kita oder beim Kontakt mit Tieren – kleine Kinder sind den ganzen Tag mit Bakterien und Viren konfrontiert. Doch wie wäscht man sich die Hände richtig? Hier gibt´s Tipps, die für Klein und Groß gelten.

Händewaschen frühzeitig üben

Ob Schnupfenviren, Durchfallerreger oder Schlimmeres: Tag für Tag kommt der Mensch über seine Hände mit unzähligen Krankheitserregern in Kontakt. Eine gute Händehygiene schützt deswegen vor Infektionen. Die WHO empfiehlt Eltern, das richtige Händewaschen frühzeitig mit ihren Kindern zu üben. Darauf kommt es an:

  • Mindestens 20 Sekunden Zeit nehmen. Kontrollieren lässt sich die Zeit spielerisch mit einer passenden Sanduhr oder durch das Aufsagen des Alphabets.
  • Hände nass machen, erst die Handinnenflächen und dann den Handrücken gründlich einseifen.
  • Finger, Daumen, Fingernägel und Nagelbett ebenfalls gründlich einseifen, Fingerkuppen auf der Handinnenfläche rubbeln.
  • Seifenreste unter laufendem Wasser gründlich abwaschen.
  • Hände gründlich abtrocknen. Am besten mit Einmalhandtüchern oder sauberen Stoffhandtüchern.
  • Flüssigseife ist besser geeignet als Seifenstücke, weil sich in der Seifenschale Keime ansammeln können.
  • Eine desinfizierende Spezialseife ist nicht notwendig, normale Seife reicht zum Händewaschen. Milde, ph-neutrale Seife verwenden, damit beim häufigen Händewaschen der Säureschutzmantel der Haut nicht angegriffen wird.

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine ganze Website zum Thema erstellt. Dort gibt es auch ein Video, in dem genau gezeigt wird, wie Händewaschen geht (www.waschen-wie-walter.de).

Quelle: Kinderärzte im Netz, www.waschen-wie-walter.de

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Oksana Kuzmina/Shutterstock.com

Tiefschlaf sorgt für "Hirnwäsche"

Raus mit den Schadstoffen!

Tiefschlaf ist für die Erholung unabdingbar und unterstützt wichtige Prozesse in Körper und Gehirn, z. B. das Lernen. Jetzt haben Wissenschaftler eine weitere Aufgabe des Tiefschlafs gefunden: Er dient offenbar der nächtlichen „Gehirnwäsche“.

Tiefschlaf ist Höchstarbeit

Pro Nacht versinkt der Mensch mehrere Male in Tiefschlafphasen, die im Elektroenzephalogramm ( EEG) an hohen, langsamen Deltawellen erkennbar sind. Diese machen etwa ein Viertel der gesamten Schlafzeit aus, und das ist gut so: Denn während der Mensch tief schläft, laufen in seinem Körper wichtige Prozesse ab.

So schüttet z. B. die Hirnanhangsdrüse Wachstumshormon aus und fördert damit bei Kindern Muskelaufbau und Knochenwachstum. Bei Erwachsenen sorgt das Hormon dafür, dass sich Zellen regenerieren und Gewebe repariert wird. Zur Unterstützung der körperlichen Erholung fällt nachts das Stresshormon Kortisol auf niedrigste Werte, es sinken Blutdruck und Puls, die Atemfrequenz wird langsamer und die Muskulatur entspannt.

Gehirn und Immunzellen lernen

Währenddessen wandern im Gehirn erlernte Informationen ins Langzeitgedächtnis, um später abrufbar zu sein. Auch das Abwehrsystem ist im Tiefschlaf aktiv: Es verarbeitet die über den Tag gesammelten Informationen über Krankheitserreger und Keime und stärkt dadurch sein Immungedächtnis. Doch das ist nicht alles: Bonner Forschern zufolge kommt es im Tiefschlaf offenbar auch zu einer Art Hirnwäsche, bei der mit Hilfe von Blut und Liquor schädliche Proteine aus dem Gehirn gespült werden.

Hin und her wie im Waschzuber

Hinweise auf diese Funktion des Tiefschlafs erhielten die Forscher bei Untersuchungen an 13 Freiwilligen, die eine Nacht in einem Magnetresonanztomografen (MRT) verbrachten und gleichzeitig ihre elektrischen Hirnströme per EEG ableiten ließen. Während der Tiefschlafphase erkannten die Forscher oszillatorische MRT-Signale im Gehirn, die sie als vermehrte Durchblutung deuteten. Gleichzeitig geriet auch der Liquor (das Hirnwasser) in Bewegung – jeweils zur Oszillation floss es für einige Sekunden gegenläufig zu seiner sonstigen Fließrichtung. Dieses Hin und Her in den Liquorräumen deuten die Forscher als eine Art Waschprozess, durch den Stoffwechselabbauprodukte und schädliche Proteine wie z. B. Beta-Amyloid besser abtransportiert werden können.

Alzheimer durch weniger Hirnwäsche?

Eine nächtliche Reinigungsfunktion des Liquors wird schon länger vermutet. Den Bonner Beobachtungen zufolge läuft diese Reinigungsphase womöglich während des Tiefschlafs auf Hochtouren. Dazu passen Untersuchungen an Gesunden, bei denen es nach schlaflosen – und damit vor allem tiefschlaflosen — Nächten zu einem Anstieg von Beta-Amyloiden im Gehirn kam. Die vermutete Hirnwäsche wäre zudem ein weiterer Puzzlestein für die Erklärung, warum die Alzheimer-Demenz mit ihrer krankhaften Ablagerung von Beta-Amyloid im Gehirn vermehrt im Alter auftritt. Durch die bei alten Menschen häufig verkürzten Tiefschlafphasen steht weniger Zeit für das nächtliche „Auswaschen“ schädlicher Proteine zur Verfügung.

Quelle: Ärzteblatt

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Schwerhörigkeit nicht ignorieren

Besser schnell in die HNO-Praxis

Zwischen 40 und 65 Jahren passiert es: Das Hörvermögen lässt nach. Aus Scham gehen viele Betroffene zu spät oder gar nicht zur HNO-Ärzt*in – obwohl sich das durchaus lohnt.

Sozialer Rückzug als Konsequenz

Schwerhörigkeit bedeutet nicht, dass Betroffene von einem Tag auf den anderen nichts mehr hören. Die ersten Anzeichen sind viel subtiler. Dann fällt es etwa auf einmal schwer, bei gleichzeitigen Hintergrundgeräuschen einem Gespräch zu folgen. Oder Geräusche lassen sich nicht mehr ohne weiteres der passenden Schallquelle zuordnen. „So kann man zum Beispiel in einer Gruppe nicht mehr so gut den Worten einer einzelnen Person folgen“, erklärt Christian Betz, Professor vom Uniklinikum Hamburg Eppendorf, das Phänomen.

Wer nicht sicher ist, ob er selbst oder ein Angehöriger betroffen ist, sollte sich fragen:

  •  Ist die Lautstärke beim Fernsehen oder Radiohören deutlich lauter als früher?
  • Wird ein Ansprechen von der Seite oft nicht wahrgenommen? 
  • Sind Gespräche in Gruppen plötzlich anstrengend geworden?
  •  Werden soziale Kontakte vermieden, um der Anstrengung aus dem Weg zu gehen?

Klingt erst mal nicht so schlimm? Das täuscht, denn viele Betroffene ziehen sich mit zunehmendem Hörverlust sozial immer mehr zurück – meist aus Scham oder weil das Zuhören einen regelrecht auslaugt. Soziale Isolation, Depression und nachlassende kognitive Leistungen sind oft die Folge.

Hörgeräte zahlen sich aus

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Betroffene den Schritt zur HNO-Ärzt*in wagen und ein Hörgerät in Betracht ziehen sollten. Denn so manche Hörminderung kann durch ein Hörgerät sogar aufgehalten oder verringert werden. Christian Betz schätzt: „Nur etwa 20 Prozent der Hörgeschädigten, die von einer Hörhilfe profitieren könnten, tragen eine.“ Daran ist nicht nur der Umstand schuld, dass die Hörschwäche durch das Gerät für die Umwelt sichtbar wird. Sondern auch, dass das Hörgerät am Anfang oft als unangenehm empfunden wird. Schließlich hat sich das Gehirn schon an die fehlenden Töne gewöhnt und fühlt sich dann durch diese „gestört“. Das Tragen eines Hörgeräts muss also regelrecht trainiert werden – zahlt sich langfristig aber aus.


| Von: Sara Steer Bildrechte:stockyimages/Shutterstock.com

Depression am Auge ablesen

Diagnose im Augenblick?

Genügt in Zukunft vielleicht schon ein Blick in die Augen für die Diagnose „Depression“? Ganz so einfach ist die Sache nicht. Aber in einer aktuellen Untersuchung ließ sich die Antriebsstörung depressiver Menschen tatsächlich an der Pupille erkennen.

Keine Lust zu gar nichts

Ein Kardinalsymptom der Depression ist, dass Betroffene zu nichts mehr Lust zu haben, im Extremfall sind sie sogar völlig teilnahmslos. Diese Antriebslosigkeit lässt sich objektiv im Gehirn nachweisen, weil sich dort die neuronalen Signale verändern. Um diese aufzuzeichnen, ist jedoch eine aufwändige Untersuchung, nämlich die Magnetresonanztomografie, erforderlich.

Forscher*innen des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie in München sind nun dabei, einen einfacheren Marker für den Antrieb und damit auch für Depressionen zu finden — die Pupillenweite. Denn beim gesunden Menschen weiten sich die Pupille in Vorfreude auf eine Belohnung (oder in Befürchtung auf einen Verlust). Ob diese Reaktion womöglich bei depressiven Menschen beeinträchtigt ist, testeten die Forscher*innen mit Hilfe von 46 schwer depressiven und 25 psychisch gesunden Menschen.

Geldgewinn als Hirnanreiz

Dazu steckte man jede Proband*in in die Röhre eines Magnetresonanztomografen. Darin nahmen sie an einem Spiel teil, in dem sie kleine Geldbeträge gewinnen konnten. Gleichzeitig wurden Hirnaktivität und Pupillenweite gemessen.

Bei den Gesunden weiteten sich die Pupillen jedesmal, wenn sie vor einem Gewinn standen. Außerdem erhöhte sich die Aktivität in den Hirnregionen, die für den Antrieb zuständig sind. Bei den depressiven Menschen war das anders: Je stärker die Depression war und je mehr Symptome vorlagen, desto geringer fiel die Erweiterung der Pupillen aus, wobei auch gleichzeitig die Aktivität des Antriebszentrums verringert war.

Depressionsdiagnose erleichtert?

Einfach ist die Messung der Pupillenweite nicht. Zum einen müssen die Personen dazu besonders still halten, zum anderen bewegen sich die Veränderungen in minimalen Bereichen. Trotzdem hoffen die Forscher*innen, daraus einen klinischen Test entwickeln zu können, der die Diagnose der Depression verbessert. Da an den Pupillen auch der Schweregrad der Depression erkennbar war, ließe sie sich womöglich auch objektiver erkennen, ob ein Menschen auf ein antidepressives Medikament anspricht. Bis zur klinischen Verwendung müssten diese Ergebnisse jedoch an einer größeren Patientengruppe bestätigt werden, heißt es vom Max Planck Institut für Psychiatrie.

Quelle: Max Planck Institut für Psychiatrie

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Digitales Fiebermessen bei Kindern

Stirn, Ohr oder Darmausgang?

Auf schnelle und verlässliche Weise die Temperatur bei den Kleinen zu messen hilft Eltern zu entscheiden, ob der Gang zum Arzt noch warten kann oder dringend erforderlich ist. Dabei ist der Ort der Messung nicht egal, wie eine dänische Studie zeigt.

Fiebermessen: Herausforderung für Eltern & Kind

Digitale Fieberthermometer eignen sich, die Temperatur unter dem Arm, im Mund oder im After zu messen. Bei Kindern sind dabei einige Besonderheiten zu beachten. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, erläutert: „Unter den Achselhöhlen ist die Messung am wenigsten exakt und deshalb nicht zu empfehlen. Wollen Eltern das Fieber im Mund messen, dürfen die Kinder für ein paar Minuten nur durch die Nase atmen, den Mund nicht öffnen und auch nicht auf das Thermometer beißen. Auch kann die Messung bei einigen Kindern einen Würgereiz auslösen und das Kind sollte mindestens 15 Minuten nichts gegessen oder getrunken haben.“ Auch digitale Schnullerthermometer gelten als messungenau, weil das Kind sie für etwa 5 Minuten ruhig im Mund halten muss.

Trotz aller neuen Technik: Rektal messen am besten

Ohr- und Stirnthermometer registrieren die erhöhte Infrarotstrahlung bei fieberhaften Erkrankungen. Sie sind praktisch, da Eltern die Temperatur messen können, während das Kind schläft. Einer aktuellen Studie zufolge sind allerdings beide Messmethoden einer digitalen Fiebermessung am Darmausgang (rektal) unterlegen. Fegeler erklärt das genaue Vorgehen: „Schmieren Sie die Spitze des Thermometers mit Vaseline ein, damit das Thermometer besser gleitet. Legen Sie Ihr Baby auf den Rücken. Ältere Kinder können sich auf die Seite legen. Heben Sie die Oberschenkel an und führen Sie das Thermometer 1,3 bis 2,5 Zentimeter in den Enddarm ein. Bei Widerstand stoppen Sie sofort. Halten Sie das Thermometer locker in seiner Position, bis der Signalton kommt. Lassen Sie Ihr Kind niemals unbeaufsichtigt, während Sie seine Temperatur messen.“ Am Ende jeder Temperaturmessung steht natürlich die Reinigung des Thermometers mit Alkohol oder lauwarmen Seifenwasser.

Quelle: Kinder- und Jugendärzte im Netz

| Von: Simone Lang Bildrechte:Aleksandra Suzi/Shutterstock.com

Schadet Marathonlaufen dem Knie?

Mit dem MRT geprüft

Für die Fitness mag Marathonlaufen förderlich sein. Doch was sagen die Gelenke zum Dauerlauf auf hartem Asphalt? Britische Orthopäden haben es untersucht – mit interessanten Ergebnissen.

Mit Meniskusriss an den Start

Um der Frage der Kniebelastung durch Marathonlaufen nachzugehen, nutzten die Ärzte den Londoner Stadtmarathon. Vor dem monatelangen Training und kurz nach dem Wettbewerb untersuchten sie die Kniegelenke von 70 Teilnehmern sowohl klinisch als auch mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT).

Vor dem Training waren die Kniegelenke laut Selbsteinschätzung der Teilnehmer gesund und machten den Probanden keine Beschwerden. Auch bei der klinischen Untersuchung fanden die Ärzte keine Auffälligkeiten. Trotzdem zeigten sich im MRT bei jedem Dritten Meniskusrisse, darunter sogar Korbhenkelrupturen, bei denen viele Orthopäden eher eine Operation als einen Marathonlauf empfehlen. Auch Knochenödeme, die als Hinweis auf eine Überlastung gelten, entdeckten die Ärzte in 58 Knien. Die Läufer störten sich nicht an den MRT-Befunden. Sie trainierten weiter, gingen schließlich beim Stadtmarathon an den Start und hielten alle gut durch.

Neue Schäden am Kniegelenk

Nach dem Marathon baten die Orthopäden die Läufer erneut zum MRT. Dabei zeigte sich in den Aufnahmen, dass sich die Meniskusrisse und Korbhenkelfrakturen nicht verschlechtert hatten – trotz langanhaltendem Lauftraining und Marathonlauf. Allerdings wurden in 59 Kniegelenken neue Schäden entdeckt, vor allem am Kniescheibengelenk. Auch an Sehnenansätzen und Seitenbändern war es zu neuen Läsionen gekommen.

Knochen gefestigt

Eine Überraschung boten die Ergebnisse im Knochengewebe: Zwar waren in der Kniescheibe neue Ödeme als Zeichen der Überlastung entstanden. Zurückgegangen war die Anzahl der Knochenödeme jedoch in den beim Laufen aber am stärksten belasteten Knochenbezirken, also in den gelenknahen Bereichen an der Innenseite von Ober- und Unterschenkelknochen.

Marathonlaufen strapaziert also das Gelenk – festigt dafür aber die Knochen. Die britischen Orthopäden ziehen noch einen weiteren Schluss aus ihrer Studie: Da es durch Lauftraining und Marathonlauf zu keiner Verschlechterung der vorhandenen Meniskusrisse kam, spreche dies dafür, beim Meniskusriss nicht gleich zu operieren, sondern es erst mit einer Physio- und Sporttherapie zu probieren.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Izf/Shutterstock.com

Was hilft gegen Haarausfall?

Vererbt, verstärkt oder kreisrund

Jeder Mensch verliert etwa 100 bis 150 Haare am Tag – das ist völlig normal und gehört zum Haarlebenszyklus dazu. Die ausgefallenen Haare machen nämlich die Haarwurzeln für ein gesundes, neues Haar frei. Doch was hilft, wenn deutlich mehr Haare ausfallen?

Oft sind die Gene Schuld

Übermäßiger Haarausfall hat viele Gründe. Eine der häufigsten Formen ist der erblich bedingte Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie, die sich bei Männern und Frauen etwas unterscheidet.

  • Bei Männern beginnt der erblich bedingte Haarausfall oftmals im frühen Erwachsenenalter. Bemerkbar macht er sich durch Geheimratsecken, eine Tonsur oder eine Glatze.
  • Bei Frauen wird das Kopfhaar vor allem im Scheitelbereich lichter – eine Glatze entsteht in der Regel nicht. Die androgenetische Alopezie beginnt häufig erst nach den Wechseljahren, wenn die Östrogen-Level sinken.

Gegen den erblich bedingten Haarausfall gibt es eine Vielzahl von angepriesenen „Wundermitteln“. Hier ist Vorsicht angesagt: Bei vielen der kosmetischen Mittel fehlt jeder Wirknachweis. Im Moment in Handel sind der Wirkstoff Minoxidil oder – bei Männern – auch das rezeptpflichtige Finasterid.

Einsparmodus unter Stress

Auch psychischer Stress, ein Nährstoffmangel, hormonelle Schwankungen (z. B. in den Wechseljahren), eine Hormonersatztherapie oder bestimmten Medikamente können zu einem vermehrten Ausfallen von Haaren führen. Grund hierfür ist, dass der Körper unter Stress – egal welcher Ursache – alle Funktionen einschränkt, die nicht überlebensnotwendig sind. Das lässt sich neben dem Nagel- und Haarwachstum z. B. auch gut beim Muskelaufbau beobachten.

Nach besonders traumatischen Ereignissen, wie z. B. nach einem Autounfall, kann es sein, dass die Haare sofort ausfallen. Häufiger ist jedoch der subakute Haarausfall, bei dem ein Stressfaktor über längere Zeit besteht. Dann fallen die Haare langsam und etwa zwei bis drei Monate später aus. In diesem Fall hängt die Therapie von dem Auslöser ab. Meist sind es mehrere Ursachen, z.B. eine Mischung aus psychischem Stress und Nährstoffmangel.

Die Haarbehandlung besteht dann aus zwei Dingen: spezielle Zubereitungen, wie z. B. Minoxidil-Lösungen, werden direkt auf die Kopfhaut gegeben und stimulieren die Haare. Des Weiteren wird der Hautarzt Nährstoffe empfehlen, die das Haarwachstum fördern. Diese nimmt der Patient entweder ein, z. B. als Tabletten, oder der Hautarzt injiziert sie direkt einige Millimeter unter die Kopfhaut (Mesotherapie).

Mikronährstoffe können die Behandlung unterstützen – allerdings nur dann, wenn auch ein Mangel besteht. Denn fehlen dem Körper Spurenelemente, wie Eisen und Zink, oder Vitamine, wie Vitamin B12, kann dies einen Haarausfall begünstigen. Tipp: die Grünalge Chlorella ist reich an Vitamin B12 sowie Eisen und kann als pflanzliches Produkt auch von Veganern eingenommen werden.

Typische Kreisform bei Autoimmunerkrankungen

Die dritthäufigste Form ist der „kreisrunde Haarausfall“, die sogenannte Alopecia areata. Typisch sind hier runden, kahlen Stellen auf dem Kopf. Verursacht wird diese Form des Haarausfalls vermutlich durch eine Autoimmunerkrankung. In diesem Fall sollte man auf keinen Fall selbst experimentieren, sondern lieber einen Arzt aufsuchen.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung und Allgemeinarzt-online

| Von: Dr. Silke Kescher-Hack Bildrechte:IlyaAndriyanov/Shutterstock.com

Nahrungsergänzung im Blick: Apfelessig

Sinn oder Unsinn?

Die Liste der Werbeversprechen über Apfelessig ist fast endlos: Angeblich lindert er Verdauungsbeschwerden, senkt den Cholesterinspiegel und wirkt sogar gegen oxidativen Stress. Doch was davon ist wirklich bewiesen?

Inhaltsstoffe unter der Lupe

Apfelessig soll viele nützliche Bestandteile enthalten. Als besonders gesund werden beworben:

  1. Ballaststoffe: Sie binden Cholesterin im Darm, sodass es von der Nahrung nicht in das Blut übertreten kann. Dadurch sinkt der Cholesterinspiegel im Blut und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ballaststoffe beugen außerdem Verstopfung vor und senken den Blutzuckerspiegel.
  2. Polyphenole: Sie wirken antioxidativ und schützen den Körper vor Sauerstoffradikalen, die Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Krebs fördern.

Nährstoffverlust durch Verarbeitung

Polyphenole und Ballaststoffe sind tatsächlich reichlich in Äpfeln enthalten. Zwischen der frischen Frucht und dem fertigen Essig oder dem Nahrungsergänzungsmittel liegen jedoch viele Verarbeitungsschritte, in denen Nährstoffe verloren gehen. Da viele Menschen nur 2 Teelöffel oder weniger von dem Essig trinken, nehmen sie nur wenige Polyphenole und Ballaststoffe über den Essig auf. Diese Menge reicht nicht, um die beworbenen Effekte zu verursachen. Wer seine Ballaststoff- und Polyphenol-Zufuhr erhöhen will, setzt besser auf unverarbeitetes Gemüse und Obst.

Forschung noch nicht abgeschlossen

Doch um Apfelessig als wirkungslos abzuschreiben, ist es zu früh. Experimente zeigen immer wieder positive Wirkungen des Essigs zum Beispiel auf den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Patienten. Für diese Effekte werden andere Inhaltsstoffe des Essigs, wie die Essigsäure, verantwortlich gemacht. Diese Beobachtungen müssen jedoch noch weiter erforscht werden, bevor allgemeine Empfehlungen veröffentlicht werden.

Bis dahin muss aber niemand auf Apfelessig verzichten – denn bisher gibt es keine Hinweise, dass der Apfelessig schädlich ist. Nur die Zähne werden auf die Dauer durch das Trinken des puren Essigs angegriffen. Wer sicher gehen will, verdünnt den Essig lieber.

Quellen: Verbraucherzentrale; Shishehbor et al. 2017; Pätzold et. al 2005

| Von: Marie Schläfer Bildrechte:Sea Wave/Shutterstock.com

Workout gegen den Mausarm

Unermüdlich am PC?

Nicht nur der Rücken leidet unter der ständigen Arbeit am PC. Durch das dauernde Tippen und Klicken droht auch ein schmerzhafter Mausarm. Damit es dazu nicht kommt, empfehlen Orthopäd*innen ein regelmäßiges Workout für Arm und Hände.

Wenn der Gang über den Flur fehlt …

Homeoffice hat viele Vorteile, aber auch seine Schattenseiten. Es fehlt der Gang in die Kaffeeküche, der kurze Besuch bei den Kolleg*innen und der entspannte Schwatz im Stehen auf dem Flur. Stattdessen sitzt so manch einer stundenlang vor dem PC — und der Körper leidet.

Arm und Hand in Not

Vor allem Arme und Hände sind vom pausenlosen Tippen und „Mausen“ belastet. Übertreibt man es damit, droht der gefürchtete Mausarm. Der macht sich zunächst durch Kribbeln und Kraftverlust im Unterarm — vor allem bei Belastung — bemerkbar. Nach längerer Zeit kommen Schmerzen dazu, die sogar in Ruhe anhalten und nur in langen Auszeiten wie beispielsweise im Urlaub weniger werden. Dahinter stecken Entzündungen und/oder ein verstärkter Verschleiß von Sehnen und Sehnenscheiden, deren Behandlung oft langwierig ist.

Mini-Workout immer wieder einflechten

Damit es gar nicht erst zum Mausarm kommt, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) ein Homeoffice- oder Büro-Workout. Dafür soll man mehrmals die Stunde

  • Hände und Arme ausschütteln
  • die Hände dehnen, indem man ein Faust macht (den Daumen eingeschlossen), die Hand nach einigen Sekunden wieder öffnet und die Finger spreizt
  • erst mit geballter Faust, dann mit gespreizten Fingern die Hand im Handgelenk kreisen lassen — mehrmals in beide Richtungen.

Lässt man noch ein paarmal die Schultern in beide Richtung kreisen und streckt hin und wieder den Rumpf, profitiert der komplette Oberkörper . Und wer dann noch die Beine trainieren will, dem sei ein Gang zum Kühlschrank — oder besser noch nach draußen in die Mittagspause angeraten.

Quelle: Ärztezeitung

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2020: So viele Organe wurden gespendet

Niere, Leber, Herz

2941 Organe wurden im Jahr 2020 gespendet. Das sind trotz Corona fast genauso so viele wie 2019. Trotzdem klaffen Bedarf und Spenden noch weit auseinander.

Über 7000 Nieren gesucht

Das häufigste Spenderorgan ist die Niere, berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). So auch 2020: 1447 Nieren wechselten von hirntoten Spendern auf bedürftige Empfänger. Doch das reicht der DSO zufolge bei weitem nicht aus. Denn die Niere ist mit Abstand das Organ, welches am häufigsten als Ersatz benötigt wird: Von den im letzten Jahr insgesamt 9192 Patient*innen, die auf der Warteliste von Eurotransplant standen, warteten über 7000 auf eine neue Niere.

Chance auf Leber ist am größten

Ähnlich sieht es bei den anderen Organen aus: So wurden 320 Herzen gespendet, aber 700 benötigt. 265 Menschen standen für eine neue Bauchspeicheldrüse auf der Warteliste, 79 wurden transplantiert. Am besten ist das Verhältnis bei der Leber: 891 Patient*innen benötigten eine neue Leber, immerhin 746 Organe konnten von Hirntoten übertragen werden.

11 Spender von 1 Million Einwohnern

In Deutschland spendeten durchschnittlich 11 von einer Million Einwohnern ein Organ (Lebendspenden wurden hier nicht mitberechnet). Interessant ist die bundesweite Verteilung: Hamburger*innen sind mit 26 Spendern pro Million Einwohner am spendabelsten, was Organe angeht. Großzügig ist man mit 22,3 Spendern/Million Einwohner auch im Saarland. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Berlin liegen mit 14 bis 17/Million über dem bundesweiten Durchschnitt. Das Schlusslicht bildet Brandenburg: Hier stellten nur 5,2 Menschen pro Million Einwohner nach ihrem Tod ein Organ zur Verfügung.

Insgesamt hat die Anzahl der Wartenden von 11562 im Jahr 2010 auf 9192 im Jahr 2020 abgenommen. Und das trotz der seitdem auch stark gesunkenen Spendenbereitschaft: So wurden 2020 noch 4205 Organe gespendet und verpflanzt, 2017 waren es nur noch 2594. Dass trotzdem weniger Menschen auf ein neues Organ warten, könnte an der besseren medizinischen Versorgung chronischer Erkrankungen liegen.

Quelle: Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Dan Race/Shutterstock.com