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Kluge Gehirne sind besser vernetzt

Wichtiges vom Unwichtigen trennen

Intelligente Menschen sind offenbar besonders gut darin, bedeutsame Informationen schnell zu verarbeiten und gleichzeitig unwichtige Reize auszublenden. Das zeigt eine neue Hirnstudie.

Einzelne Hirnareale sind unwichtiger als deren Vernetzung untereinander

Kaum eine persönliche Eigenschaft ist so entscheidend für den Erfolg im Leben wie die Intelligenz. Doch was unterscheidet besonders intelligente von weniger intelligenten Menschen? Ein Forscherteam der Goethe-Universität Frankfurt meint: Intelligent ist, wer wichtige Informationen besonders schnell und effizient verarbeitet und sich dabei nicht von unwichtigen Informationen stören lässt.
Während bisherige Forschungsansätze Intelligenz-Unterschiede mit Unterschieden in einzelnen Hirnregionen erklärten, gehen die Frankfurter Forscher davon aus, dass die Vernetzung verschiedener Hirnregionen entscheidender ist. In ihrer Studie zeigten sie, dass bei intelligenten Menschen bestimmte Hirnregionen besonders eng vernetzt sind und dadurch schneller und effizienter untereinander kommunizieren. Gleichzeitig sind andere Regionen stark von diesen Netzwerken abgekoppelt – wodurch sie deren Kommunikation nicht durch irrelevante Informationen stören.

Netzwerke im Gehirn lassen sich formen und neu bilden

Das heißt aber keineswegs, dass Intelligenz in Stein gemeißelt ist. Studienleiterin Ulrike Basten betont, dass sich Netzwerke auch formen und neu bilden lassen: „Es ist möglich, dass manche Menschen aufgrund einer biologischen Veranlagung Hirnnetzwerke ausbilden, die intelligente Leistungen wahrscheinlicher machen. Genauso gut kann sich aber umgekehrt der häufigere Gebrauch des Gehirns für intelligentere Leistungen positiv auf die Ausformung der Netzwerke im Gehirn auswirken. Bei allem, was wir über den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Intelligenz wissen, erscheint ein Wechselspiel beider Prozesse am wahrscheinlichsten.“

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:NicoElNino/Shutterstock.com

Stanzen stört die Erektion nicht

Prostatabiopsie mit Folgen?

Beim Verdacht auf einen Prostatakrebs steht die Probebiopsie an. Dabei ist nicht nur die Gewebeentnahme selbst unangenehm für den Patienten. Viele Männer fürchten auch, dass der Eingriff ihrer Erektionsfähigkeit schadet. Eine aktuelle Studie gibt jetzt Entwarnung.

Mit der Stanze durch Darm oder Damm

Bei einer Prostatabiopsie entnimmt der Arzt mit einer Art Stanze Gewebezylinder aus der Vorsteherdrüse. Je nach Zugang unterscheidet man zwei Verfahren: Bei der transrektalen Prostatastanzbiopsie geschieht das über den Mastdarm, bei der seltener durchgeführten perinealen Prostatabiopsie über den Damm.

Doch nicht nur die Vorstellung vom Eingriff selbst macht Männern zu schaffen. Immer wieder taucht die Frage auf, ob eine Stanzbiopsie womöglich die erektile Potenz beeinträchtigt. Dieser weit verbreiteten Sorge ist jetzt eine spanische Arbeitsgruppe in einer Studie nachgegangen.

Entwarnung in puncto Erektion

Dazu untersuchten sie bei 135 Patienten, die sich einer Prostatabiopsie unterziehen mussten, vor und nach dem Eingriff die Erektionsfähigkeit. Von den Männern hatten vor der Biopsie 21% eine normale Erektion, 40% eine leichte, 36% eine moderate und 3 % eine schwere Erektionsstörung. 3 und 6 Monate nach dem Eingriff wurden die Männer erneut untersucht, mit nahezu gleichen Ergebnissen: 29 bzw. 30% hatten keine Erektionsprobleme, 38% bzw. 34% eine leichte, 27% bzw. 28% eine moderate und 3 bzw. 6% eine schwere Erektionsstörung.

Die Ergebnisse blieben auch bei Berücksichtigung der Art des Verfahrens konstant. Egal ob über den Damm oder den Mastdarm durchgeführt und unabhängig von der Anzahl der ausgestanzten Gewebeproben – Auswirkungen auf die Erektion sind durch die Prostatabiopsie nicht zu erwarten, lautet das Fazit der Forscher.

Quelle: Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Pikselstock/Shutterstock.com

Vom Fieberkrampf zur Epilepsie?

Langfristige Folgen

Fieberkrämpfe bei Kleinkindern sehen zwar bedrohlich aus, sind jedoch meist harmlos. Bisher ging man davon aus, dass sie auch langfristig keine Folge haben. Diese Einschätzung gerät nun ins Wanken: Einer neuen Studie zufolge begünstigen wiederholte Fieberkrämpfe die Entwicklung einer Epilepsie.

Im Schulalter ist der Spuk meist vorbei

Fieberkrämpfe sind bei Kleinkindern gar nicht selten und in den meisten Fällen harmlos. Bis zu 5% der Kinder von 3 Monaten bis 5 Jahren trifft solch ein „Fieberanfall“ zumindest einmal im Leben, bei einigen kommen sie sogar wiederholt vor. Sie beruhen auf einer Veranlagung des kindlichen Gehirns, auf Fieber mit Krämpfen zu reagieren, was sich aber bis zum Schulalter in der Regel von selbst verliert.

Bisher ging man davon aus, dass solche Fieberkrämpfe keine Auswirkungen auf das Gehirn haben. Dänische Forscher haben aber nun gezielt nach Folgen solcher Fieberkrämpfe gesucht und dafür die Daten von mehr als 200 000 zwischen 1977 und 2011 geborenen Kindern ausgewertet. 3,6% der Kinder hatten in diesem Zeitraum mindestens einen Fieberkrampf, Jungen etwas häufiger als Mädchen.

Epilepsierisiko um knapp 16% erhöht

Die Forscher errechneten zunächst die kurzfristigen Folgen: Mit jedem Fieberkrampf, den ein Kind durchmachte, erhöhte sich das Risiko für einen weiteren. Nach dem ersten Fieberkrampf lag das Risiko bei gut 22%, nach dem dritten schon bei 43%.

Auch langfristig hatten Fieberkrämpfe Auswirkungen, allerdings nur bei wiederholten Anfällen. So stieg die Wahrscheinlichkeit, eine Epilepsie zu entwickeln, nach dem dritten Fieberkrampf auf 15,8% (das „normale“ Risiko bei Geburt der Kinder berechneten die Forscher mit etwa 2,2%). Auch die Gefahr, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln, stieg mit Anzahl der Fieberkrämpfe. Nach drei durchgemachten Fieberkrämpfen lag es bei knapp 30% (Bevölkerungsrisiko zum Zeitpunkt der Geburt etwa 17%).

Gut auf Epilepsiezeichen achten

Die Ergebnisse zeigen: wiederholte Fieberkrämpfe haben offenbar doch Auswirkungen auf das kindliche Gehirn und erhöhen die Gefahr, eine Epilepsie oder psychiatrische Erkrankung zu entwickeln. Um diese Erkrankungen möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können, raten die Forscher vor allem bei Kindern, die mehrere Fieberkrämpfen erlebt haben, auf entsprechende Symptome wie kurze Bewusstseinspausen, Nesteln oder Verhaltensauffälligkeiten zu achten.

Quelle: Springer Medizin

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Roman Zaiets/Shutterstock.com

Alkoholismus: Hilfsangebote nutzen

Sucht ist keine Charakterschwäche

Alkohol ist aus unserer Gesellschaft kaum wegzudenken. Andererseits leiden alkoholkranke Menschen nach wie vor unter einer Stigmatisierung – weshalb Hilfsangebote häufig zu spät oder gar nicht angenommen werden.

Auf psychische und körperliche Abhängigkeitssymptome achten

Alkoholabhängigkeit wird – auch von den Betroffenen selbst – oft als selbstverschuldet oder als Folge einer Charakterschwäche betrachtet. Dr. Andreas Heinz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, widerspricht dieser Auffassung: „Eine Sucht ist eine Krankheit, deren Korrelate im Gehirn nachgewiesen werden können.
So sind gerade die besonders ‚Trinkfesten‘ besonders gefährdet, alkoholabhängig zu werden, da ihnen ein Warnzeichen fehlt, wenn sie zu viel konsumieren – und gerade diese Trinkfestigkeit hat auch erbliche Komponenten.“Personen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, sollten auf Anzeichen einer sich entwickelnden Abhängigkeit achten. Dazu gehören nachlassende Leistungsfähigkeit, Gereiztheit, häufiges Denken an Alkohol und mangelndes Interesse an anderweitigen Dingen. Auch körperliche Entzugserscheinungen wie Schwitzen und Zittern können sich nach einiger Zeit einstellen.

Entzugsbehandlung mit weiterführender Perspektive notwendig

Kommt es zu Abhängigkeitssymptomen und einem zunehmenden Kontrollverlust im Umgang mit Alkohol, ist in der Regel eine pharmako- und psychotherapeutisch basierte Entzugsbehandlung notwendig. Um die Erfolgswahrscheinlichkeit langfristig zu erhöhen, sollte sie immer eine weiterführende Perspektive durch Vermittlung in Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder spezifische Therapien beinhalten. Im Falle einer Alkoholabhängigkeit ist Abstinenz das sicherste und erstrebenswerteste Therapieziel.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Grenzwerte

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt für gesunde Erwachsene folgende Grenzwerte: Frauen sollten nicht mehr als ein Glas (0,3 Liter), Männer nicht mehr als zwei Gläser Bier pro Tag trinken. Daneben sei es ratsam, an mindestens zwei Tagen pro Woche gar keinen Alkohol zu trinken.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:Song_about_summer/Shutterstock.com

Sanfte Hilfe bei Dreimonatskoliken

Nutzen Probiotika, Fencheltees und Co?

Stundenlanges Schreien, ohne dass die üblichen Mittel wie Stillen oder der Schnuller helfen – Dreimonatskoliken sind für Eltern eine große Herausforderung. Welche Methoden der Komplementärmedizin am besten helfen, haben nun englische Wissenschaftler untersucht.

Behandlung ist nicht zwingend notwendig

Dreimonatskoliken beginnen meist in der zweiten Lebenswoche und halten drei bis fünf Monate an. Typisch ist, dass betroffene Babys vermehrt schreien und sich weder durch Stillen oder Füttern, noch durch den Schnuller beruhigen lassen. Im Gegenteil: Häufig verschlimmert das Anlegen oder Füttern die Situation. Was genau Dreimonatskoliken auslöst, ist unbekannt. Einiges deutet zwar darauf hin, dass Bauchkrämpfe Schuld an den anfallsartigen Schreiattacken sind, belegt ist das jedoch nicht. Eine gezielte Behandlung ist daher schwer und – aus medizinischer Sicht – auch nicht notwendig.

Komplementärmedizin bei Dreimonatskoliken?

Für Mütter und Väter sind die exzessiven Schreiphasen ihrer Schützlinge allerdings sehr belastend. Beliebt sind deswegen komplementärmedizinische Methoden wie homöopathische Mittel, Akupunktur, diverse Heilkräuter oder chiropraktische Therapien. Sie alle sollen die Schreidauer verkürzen. Englische Wissenschaftler haben nun 16 frühere Studien analysiert, die verschiedene komplementärmedizinische Therapien untersucht hatten. Deren Ergebnis: Am besten wirken Probiotika, Fenchelextrakte (z. B. als Tee) und spezielle Verfahren aus der manuellen Therapie (spinale Manipulationen).

Das große Aber

Keine der 16 untersuchten Studien erfüllt jedoch alle Anforderungen an das wissenschaftliche Arbeiten. Dazu gehören z. B. eine ausreichend große Anzahl an Teilnehmern oder eine objektive Messung der Ergebnisse. Einige Studien waren zudem nicht verblindet: die Eltern wussten also ganz genau, ob ihr Schützling eine Therapie erhielt oder nicht. Allein durch dieses Wissen kann das Ergebnis – bewusst oder unbewusst – verfälscht werden.

Auch die Studien, die sich mit Probiotika beschäftigt hatten, überzeugten die englischen Wissenschaftler nicht gänzlich überzeugen. Probiotika sind „gute“  Mikroorganismen, die sich im Darm des Menschen ansiedeln sollen. Da sie u.a. vor Dreimonatskoliken schützen oder die Beschwerden lindern sollen, finden sie sich immer häufiger in den unterschiedlichsten Babynahrungsprodukten. Ob Probiotika wirklich helfen, ist laut den englischen Wissenschaftlern aber fraglich.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. Silke Kerscher-Hack Bildrechte:Konstantin Tronin/Shutterstock.com

Strahlenbelastung im Blick behalten

Röntgenpass schließt Wissenslücken

Röntgen ist heutzutage ein unerlässliches Verfahren der medizinischen Diagnostik. Die Bestrahlung kann dem Körper jedoch auf Dauer schaden. Mit einem Röntgenpass lassen sich unnötige Untersuchungen vermeiden.

Hohe Strahlenbelastung kann Krebs verursachen

1,7 Röntgenuntersuchungen durchläuft jeder Bundesbürger im Jahr. Sinnvoll ist das bildgebende Verfahren unter anderem bei Zahnuntersuchungen oder zum Ausschluss von Knochenbrüchen. Der Nachteil: Konventionelles Röntgen gehört (wie auch die Computertomografie) zu den bildgebenden Verfahren mit Strahlenbelastung. Die energiereichen Röntgenstrahlen können im schlimmsten Fall Schäden an der DNA herbeiführen und dadurch Krebs verursachen. „Röntgenuntersuchungen sollten nur durchgeführt werden, wenn keine Alternative verfügbar ist und der Patient aus dieser diagnostischen Maßnahme einen Nutzen ziehen kann, der größer ist als das Strahlenrisiko“, meint Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer.

Röntgenpass verhindert überflüssige Doppeluntersuchungen

Um Risiken und Nutzen besser abwägen zu können, empfiehlt sich ein Röntgenpass. Er schließt mögliche Wissenslücken beim behandelnden Arzt, indem alle Untersuchungen detailliert eingetragen werden. „Anhand des Röntgenpasses kann der behandelnde Arzt erkennen, ob schon einmal eine passende Aufnahme gemacht wurde, wo diese vorliegt, und ob die aktuell anstehende eventuell überflüssig ist. Davon profitieren besonders Kinder, die auf Röntgenstrahlen empfindlicher reagieren als Erwachsene“, erklärt Marschall. Die Medizinerin rät, zusätzlich Szintigrafien, Kernspintomografien und Ultraschall-Untersuchungen eintragen zu lassen, da diese ebenfalls aussagekräftige Informationen liefern können.

Den Röntgenpass erhalten Sie bei Ihrem behandelnden Arzt oder im Internet beim Institut für Strahlenschutz.

Quelle: Barmer

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:create jobs 51/Shutterstock.com

Mit Schuheinlage gegen Fußgeschwüre

Alarm bei hohem Druck

Eine intelligente Schuheinlage plus Smartwatch sollen helfen, Druckgeschwüre an Diabetikerfüßen zu verhindern. Britische Forscher haben das Alarmsystem geprüft: Es funktioniert.

Unsensibel gegenüber Druck und Schmerz

Diabetiker sind besonders gefährdet, Druckgeschwüre an ihren Füßen zu entwickeln. Das liegt vor allem daran, dass der hohe Blutzucker langfristig die Nerven schädigt. Durch diese auch Polyneuropathie genannte Nervenstörung nehmen Diabetiker Druck und Schmerzen an ihren Füßen nicht mehr richtig wahr, was dazu führt, dass leichter Fußgeschwüre entstehen.

8 Sensoren messen den Druck

Bisher waren die wichtigsten Maßnahmen gegen diabetische Fußgeschwüren eine penible Fußpflege und gut sitzendes Schuhwerk. Jetzt soll eine intelligente Schuheinlage zusätzlich helfen. Diese misst anhand von 8 Sensoren den Druck auf die Fußsohle und funkt ihn drahtlos an eine Smartwatch weiter. Ist der Druck zu hoch, d.h. wird ein bestimmter Schwellenwert überschritten, gibt die Smartwatch ihrem Träger ein optisches Signal. Bei Alarm heißt es: Fuß entlasten!

Dieses System wurde nun an 58 Diabetikern, die schon einmal ein diabetisches Fußgeschwür gehabt hatten, getestet. Sie erklärten sich bereit, über 18 Monate hinweg die Schuheinlagen regelmäßig in ihren Schuhen und am Handgelenk die dazugehörende Smartwatch zu tragen. Diese war allerdings nur bei 32 Teilnehmern tatsächlich aktiviert, die anderen 24 Patienten dienten als Kontrollen. Bei den Patienten mit aktivierter Uhr gab die Uhr Alarm, sobald der Druck auf der Sohle 35mmHg überstieg. Dann sollten die Patienten den Fuß gezielt entlasten, z. B. durch Umhergehen oder Hinsetzen.

Tatsächlich ließen sich mit Hilfe der Schuheinlagen Fußgeschwüre vermeiden: In der Gruppe mit aktivem Alarmsystem entwickelten sich innerhalb des Studienverlaufs nur 4 Fußgeschwüre, bei den 24 Patienten ohne Alarmsystem dagegen 10.

Sitzen und Stehen gefährlicher als Gehen?

Überraschend für die Forscher war allerdings, wann am häufigsten Druck-Alarme ausgelöst wurden. Bisher ging man davon aus, dass vor allem anhaltend hoher Druck im Gehen ein Risikofaktor für diabetische Fußgeschwüre ist. Doch in dieser Studie sah das anders aus: Die Patienten berichteten, dass sie vor allem in statischen Positionen alarmiert wurden, also beim Sitzen, Stehen oder beim Autofahren.

Quelle: Ärztezeitung

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:skyNext/Shutterstock.com

Behindern Tablets die Sprachentwicklung?

Bildschirmzeiten begrenzen

Eltern sollten die Bildschirmzeiten ihrer Kleinkinder gut im Auge behalten. Neuen Untersuchungen zufolge weisen Vorschulkinder, die lange Zeiten an Tablet oder Smartphone verbringen, Veränderungen im Gehirn auf. Und zwar vor allem in Bereichen, die für die Sprache zuständig sind.

Spuren im Gehirn

Ob Fernsehen, Tablet oder Computer – nicht nur Erwachsene, auch Kleinkinder verbringen inzwischen viel Zeit vor einem Bildschirm. Kinderärzte und Wissenschaftler warnen schon lange vor körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen durch hohen PC- und Tabletkonsum. Die Sorge scheint berechtigt: Einer aktuelle Studie zufolge scheint eine allzu freizügige Bildschirmnutzung bei Kleinkindern tatsächlich Spuren im Gehirn zu hinterlassen.

Weiße Hirnsubstanz verändert

In ihrer Studie untersuchten die amerikanischen Forscher zunächst Bildschirmkonsum und Sprachfähigkeiten von 47 Kindern im Alter von 54 Monaten. Dabei fiel auf, dass Kinder mit hohen Bildschirmzeiten in den Tests auf Aussprache, Vokabular und erste Lesefähigkeiten schlechter abschnitten als Kinder, die wenig Zeit mit elektronischen Medien verbrachten.

In einem weiteren Schritt prüften die Forscher die Gehirnstruktur der kleinen Probanden mit Hilfe der Magnetresonanztomografie. Das Ergebnis: Kinder mit hohen Bildschirmzeiten wiesen strukturelle Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz auf. Vor allem in den beiden Sprachzentren war die Ummantelung der Nervenbahnen dünner als bei Kindern mit geringen Bildschirmzeiten.

Aufgrund der kleinen Fallzahl formulieren die Forscher ihre Ergebnisse vorsichtig und folgern, dass „die bildschirmbasierte Mediennutzung in der frühen Kindheit zu einer suboptimalen Stimulation in diesem wichtigen Stadium der Gehirnentwicklung führen könnte“.

Tablet und Smartphone – so viel ist erlaubt

Auch wenn diese Ergebnisse bisher nur ein Hinweis auf tatsächliche Hirnveränderungen sind – wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die Bildschirmzeiten seiner Sprösslinge gut im Auge behalten. Die WHO empfiehlt für Kinder bis zu 5 Jahren ein generelles Verbot für Tablets und Smartphones, was aber in den meisten Familien nicht praktikabel sein dürfte. Deutsche Kindeärzte halten sich da eher an die Empfehlungen der American Academy of Pediatrics:

  • Kinder unter 18 Monaten sind generell von Tablets und Smartphones fernzuhalten. 
  • Kinder zwischen 18 und 24 Monaten sollten nur zeitweise und unter Aufsicht der Eltern ein Smartphone oder Tablet nutzen.
  • Kinder von 2 bis 5 Jahren dürfen höchsten eine Stunde täglich ein Smartphone oder Handy benutzen, und auch dies am besten unter Aufsicht.

Um diese Regelungen umzusetzen, ist es für Familien oft hilfreich, sogenannte medienfreie Zeiten zu bestimmen. Das bedeutet beispielsweise keine Smartphone- oder Tabletnutzung beim Essen oder beim Autofahren. Außerdem sollten in der Wohnung bestimmte Räume tabu sein für das Smartphone, z. B. die Schlafzimmer.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Xolodan/Shutterstock.com

Plätzchen trotz Diabetes?

Über Feiertage in Maßen schlemmen

Zur Weihnachtszeit wird in vielen Familien herzhaft geschlemmt. Diabetiker müssen sich dabei zwar zurückhalten – aber nicht gänzlich verzichten. Worauf Betroffene achten sollten.

Fett- und zuckerreiche Speisen ersetzen oder abwandeln

Glühwein und gebrannte Mandeln auf dem Weihnachtsmarkt, Gänsebraten und Christstollen daheim: Die Adventszeit lockt mit vielen Köstlichkeiten – die jedoch reich an Kohlenhydraten und Fett sind. Besonders ungünstig für Diabetiker sind kurzkettige Kohlenhydrate (= Zucker). Sie dürfen daher nicht einfach nach Herzenslust schlemmen. „Wenn sie einige Dinge berücksichtigen, müssen sie trotzdem nicht ganz darauf verzichten“, beruhigt die Diabetesberaterin Dr. Astrid Tombek.

„Für Menschen mit Diabetes Typ 1, die Insulin spritzen, ist insbesondere wichtig, die Menge an Kohlenhydraten der verschiedenen Gerichte zu kennen“, betont die Expertin. Vor allem zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten treiben den Blutzuckerspiegel schnell in gefährliche Höhen. Laut Tombek eignen sich Haferflockenplätzchen oder Zimteis als gesunde Alternativen zu Lebkuchen und Spekulatius.

Typ-2-Diabetiker müssen zudem ihre Fett- und Kalorienzufuhr einschränken. Üppige Weihnachtsgerichte aus Braten, Klößen und Soße sollten sie abwandeln, indem sie zum Beispiel weniger Sahne verwenden, die Größe der Portionen reduzieren und dafür mehr von den Gemüsebeilagen essen.

Im Winter Bewegung nicht vernachlässigen

Ein zusätzliches Problem in der Adventszeit ist, dass vielen Menschen bei den kalten Temperaturen die Motivation fehlt, sich zu bewegen. „Zusammen mit kalorien- und zuckerreichen Mahlzeiten ist anhaltender Bewegungsmangel aber eine ungünstige Kombination“, warnt Tombek. Gerade Diabetiker sollten daher regelmäßige Winterspaziergänge einplanen. Mit dem Hund rausgehen, Schlittschuhlaufen oder Rodeln sind nicht nur gesund, sondern machen auch Spaß.

Quelle: Deutsche Diabeteshilfe

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:Flotsam/Shutterstock.com

Juckreiz am Po?

Die drei häufigsten Wurmerkrankungen

Kratzt sich das Kind häufig am Po oder sind gar Würmer im Stuhl zu erkennen? Das ist kein Grund für Panik – denn eine Wurmerkrankung ist bei Kindern meist harmlos. Ein Überblick über die häufigsten Wurminfektionen und einfache Tipps zur Vorbeugung.

Häufige Wurmarten und ihre Symptome

Im Kindergarten- und Grundschulalter sind Madenwürmer (Oxyuren) besonders häufig. Kinder infizieren sich, indem sie Wurmeier über verunreinigte Nahrung oder Spielsachen aufnehmen. Aus den Eiern schlüpfen im Darm Larven, die sich zu etwa 1 cm langen, weißen Würmern entwickeln. Die Weibchen kriechen nachts aus der Analöffnung, um ihre Eier rund um den Anus abzulegen. Dies führt bei den Erkrankten zu einem starken Juckreiz, weshalb sich betroffene Kinder häufig am Po kratzen und die unter ihren Fingernägeln haftenden Eier auf andere Gegenstände übertragen.

Anders verhält es sich mit den seltenen Spulwürmern: Diese werden meist mit Gemüse aufgenommen, das z. B. mit eierhaltigen Fäkalien verunreinigt ist. Die im Darm geschlüpften Larven wandern zuerst über den Blutkreislauf über Leber und Lunge bis in den Kehlkopf, wo sie durch Schlucken erneut in den Verdauungstrakt gelangen. Dort entwickeln sie sich schließlich zu den bis zu 40 cm langen Würmern, die auch gelegentlich mit dem Stuhl ausgeschieden werden.
Während ihrer Wanderung durch Lunge und Leber leiden Erkrankte häufig unter Fieber, Husten und grippeähnlichen Beschwerden. Die Würmer im Darm führen dann zu Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit. In seltenen Fällen verursachen Wurmknäuel einen lebensbedrohlichen, mechanischen Darmverschluss.

Ebenfalls eher selten stecken sich Kinder mit dem Rinder- oder Schweinebandwurm an. Die Infektionsquelle ist dann rohes oder unzureichend gebratenes Fleisch, das Bandwurmfinnen (Larven des Bandwurms) enthält. Aus den Finnen entwickeln sich im Darm reife Bandwürmer, die unter anderem zu Bauchschmerzen und Gewichtsverlust trotz regelmäßigem Essen führen. Die etwa 2 cm langen, eiertragenden Bandwurmabschnitte (Proglottiden) werden gelegentlich mit dem Stuhl ausgeschieden.
Gefährlicher ist eine Bandwurminfektion, wenn nicht die Finnen, sondern die Bandwurmeier aufgenommen werden – dies ist selten, aber z. B. durch eine Selbstinfektion möglich. Denn dann wandern die im Darm geschlüpften Larven über die Blutgefäße in andere Organe (Zystizerkose). Je nach befallenem Organ drohen dann Erblindung, Krampfanfälle oder Muskelschmerzen.

Therapie und Vorsorge

Wurmerkrankungen behandelt der Arzt meist mit einer Wurmkur in Form von Tabletten oder einem Saft. Meist empfiehlt es sich, alle Familienmitglieder mitzubehandeln, da die Würmer schnell von einer Person auf die andere übertragen werden. Genauso wichtig ist es, Kleidung und auch Bettwäsche gründlich zu waschen, um alle Wurmeier loszuwerden. Für den Therapieerfolg sind zusätzlich hygienische Maßnahmen, wie häufiges Händewaschen, streng einzuhalten. Wurmerkrankungen lassen sich vermeiden, indem man:

  • Vor dem Essen die Hände wäscht
  • Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich abspült
  • Spielsachen, die auch draußen genutzt werden (Sandspielzeug), regelmäßig reinigt
  • Kindern die Fingernägel möglichst kurz schneidet
  • Haustiere regelmäßig entwurmt.

Quelle: Kinder- & Jugendärzte im Netz

| Von: Dr. Rita Wenczel Bildrechte:Masarik/Shutterstock.com

Ätherische Öle befreien die Nase

Baden, einreiben, inhalieren

Herbstzeit ist Erkältungszeit: Jetzt sind verstopfte Nasen und Nasennebenhöhlen, zähflüssiger Auswurf oder trockener Reizhusten an der Tagesordnung. Doch es gibt Linderung für geplagte Atemwege. Als Zusatztherapie oder als Einzelkämpfer putzen ätherische Öle in vielerlei Formen Nase, Rachen und Bronchien frei und helfen dabei, wieder richtig durchzuatmen. Lesen Sie in diesem Ratgeber, was Sie über Erkältungssalben, -bäder und das richtige Inhalieren wissen müssen und was Ihre Apotheke rezeptfrei für Ihre Atemwege bereithält.

Raus mit dem Schleim!

Ätherische Öle sind eine Wohltat für erkältete Atemwege. Sie regen die Schleimhautdrüsen dazu an, vermehrt und flüssigere Sekrete zu produzieren und unterstützen damit das Abhusten und die Selbstreinigung von Lunge und Atemwegen. Damit die Öle ihre Arbeit tun können, müssen sie die Atemwege erst einmal erreichen. Dazu reibt man sie entweder in die Haut ein , badet darin oder inhaliert sie. Beim Inhalieren gelangen die ätherischen Öle direkt über die Atemwege in das Bronchialsystem, beim Baden und Einreiben werden sie nicht nur eingeatmet, sondern auch teilweise über die Haut aufgenommen und über den Blutweg zu Lunge und Bronchien transportiert.

Hinweis: Weil ätherische Öle die Atemwege reizen, dürfen sie bei Asthma bronchiale, Keuchhusten und Pseudokrupp nicht angewendet werden, da sie zu einer lebensgefährlichen Verkrampfung der Bronchialmuskulatur führen können.

Balsam und Salben

Erkältungssalben bestehen meist aus einer Mischung unterschiedlicher ätherischer Öle in einer geeigneten Grundlage, wie zum Beispiel Vaseline. Häufig werden Eukalyptusöl, Fichtennadelöl oder Terpentinöl verwendet, oft mischt man auch Einzelkomponenten aus ätherischen Ölen wie Kampfer, Cineol oder Menthol dazu. Es gibt eine große Anzahl von Erkältungssalben- und balsamen, Beispiele sind Euflux®Creme, Pinimenthol®Erkältungsbalsam, Retterspitz Bronchial Creme oder Weleda Bronchialbalsam.

Erkältungssalben trägt man zwei- bis viermal täglich auf Hals, Brust und Rücken auf. Ein Teil des Wirkstoffs verdunstet und wird eingeatmet, ein Teil wird über die Haut aufgenommen. Weil Erkältungssalben die Haut reizen können, dürfen sie keinesfalls auf Schleimhäute, entzündete oder erkrankte Haut oder gar auf offene Wunden aufgetragen werden. Wer sich nicht einschmieren möchte, kann auch eine flüssige Zubereitung wählen und diese direkt auf Kleidung, Bettwäsche oder ein Halstuch tropfen. Beispiele hierfür sind Olbas®-Tropfen oder Babix®Inhalat.

Wieviel von dem ätherischen Öl in den Atemwegen ankommt, ist von Substanz zu Substanz unterschiedlich. Im strengen Sinn der evidenzbasierten Medizin konnte bisher kein Wirksamkeitsnachweis durch klinische Studien erbracht werden. Viele Schnupfenpatienten empfinden bei Anwendung aber trotzdem eine Linderung ihrer Beschwerden, weshalb Erkältungsbalsame ihren festen Platz in der Selbstmedikation haben.

Hinweis: Vorsicht mit Erkältungsbalsamen oder -salben bei Babys und Kleinkindern! Für sie sind nur wenige Präparate geeignet. Bei der Verwendung von Reinsubstanzen wie Menthol oder Kampfer drohen den Kleinen sogar Bronchospasmen. Wenn Sie Ihrem Kind mit Erkältungssalben helfen möchten, lassen Sie sich individuell von Ihrem Apotheker beraten!

Wohltuende Bäder

Manch Schnupfengeplagter schwört auf wohltuende ätherische Bäder. Auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für ihre Wirkung, sie haben dennoch eine lange Tradition und empfehlen sich durchaus zur unterstützenden Behandlung von Atemwegserkrankungen, die mit zähflüssigem Schleim einhergehen. Beispiele sind Eucabal®Eukalyptusbad, Kneipp®Erkältungsbad oder stas®Erkältungsbad. Halten Sie sich unbedingt an die Gebrauchsanweisung der jeweiligen Packungsbeilage. In der Regel werden Badetemperaturen von 35 – 38°C und eine Badedauer von 10 – 20 Minuten empfohlen. Vermeiden Sie das Schlucken von Badewasser, bei empfindlichen Menschen kann dies zu Verkrampfung der Atemmuskulatur führen.

Hinweis: Erkältungsbäder belasten den Kreislauf und sollten bei hohem Fieber nicht durchgeführt werden. Auch wenn Sie unter Herzmuskelschwäche oder hohem Blutdruck leiden, sollten Sie vor dem Verwenden eines Erkältungsbades sicherheitshalber Ihren Arzt befragen.

Einfach inhalieren

Ätherische Öle lassen sich auch mit Hilfe heißen Wassers inhalieren. Am einfachsten geht das mit der Kochtopf-Methode. Geben Sie Kamillenblüten, Salbeiblätter oder Thymian in einen Topf und schütten Sie heißes Wasser darauf. Hält man den mit einem Handtuch bedeckten Kopf über den Wasserdampf, gelangen die ätherischen Öle leicht in die Atemwege. Statt Blüten und Blätter kann man auch einen Strang Erkältungssalbe mit heißem Wasser überbrühen, gut geeignet dafür sind zum Beispiel Tumarol®Creme oder JHP®Rödler Japanisches Minzöl. Ganz einfach geht die Herstellung wohltuender Wasserdampf-Inhalate auch mit extra dafür hergestellten Lösungen aus ätherischen Ölen, zum Beispiel Pulmotin ®Erkältungstropfen oder Olbas®Tropfen.

Ein Nachteil der Kochtopfmethode ist die Gefahr, sich zu verbrühen. Hier verschaffen spezielle Inhalatoren Abhilfe, mit denen die Wasserdampfinhalation einfach und sicherer ist. Erhältlich sind solche Inhalatoren zum Beispiel von Pinimenthol®, Soledum® oder Transpulmin®.

Tipp: Wenn Sie unverdünnte ätherische Öle zum Inhalieren verwenden möchten sollten Sie diese so stark verdünnen, dass der Geruch kaum noch wahrnehmbar ist. Ansonsten wird möglicherweise zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt und eingeatmet, es drohen Kopfschmerzen und als sogenannter Umkehreffekt eine Verminderung der Schleimsekretion.

Inhalation von innen

Ganz einfach und ohne Umkehreffekte, Verbrühungen und Hautreizungen geht das „Inhalieren von innen“. Die Fertigarzneimittel Gelomyrtol®forte, Sinolpan®forte und Soledum®Kapseln forte enthalten ätherische Öle und Reinsubstanzen, wie zum Beispiel Cineol, und lassen die Atemwege über den Blutweg aufatmen. Die Wirkstoffe werden in Kapseln eingenommen, im Dünndarm aufgenommen und zur Lunge transportiert. Dort regen sie die Sekretproduktion an und dämmen die Entzündung ein. Die Wirksamkeit der Inhalation von innen ist übrigens in klinischen in Studien dokumentiert.

Tipp: Nehmen Sie die Kapseln immer mit einem Glas Wasser in Zimmertemperatur ein. Bei warmer oder heißer Flüssigkeit vermindert sich die Wirksamkeit, weil sich die Kapseln schon im Magen auflösen.

Salzwasser für die Bronchien

Salzwasser zu inhalieren ist für die Atemwege ebenfalls eine Wohltat und hat eine lange Tradition. Weil aber nicht jedem lange Schiffsreisen und Aufenthalte am Meer vergönnt sind, möchten viele den Meersalzeffekt in die heimische Wohnung holen. Die Kochtopfmethode versagt dabei leider, da das Salz nicht in die Dampfphase übergeht. Spezielle Vernebler (Inhaliergeräte) erzeugen jedoch Aerosole, deren Partikel über ein angeschlossenes Mundstück oder eine Maske in die Atemwege gelangen und dadurch auch das Salz oder andere Wirkstoffe bis tief in die Bronchien bringen.

Zum Inhalieren gibt es verschiedene Systeme, zum Beispiel Druckluftvernebler, Schwingmembranvernebler und Ultraschallvernebler. Bei der Auswahl eines geeigneten Gerätes kommt es vor allem darauf an, wie groß die erzeugten Partikel sind und ob die Wirkstoffe die oberen oder die unteren Atemwege erreichen sollen. Zum Vergleich: Reiner Wasserdampf hat Partikel von etwa 30 μm, und Partikel über 10 μm verteilen sich in Mund, Rachen und Nase. Sollen die Partikel mitsamt Salz und Wirkstoffe bis in die kleinen Bronchien gelangen, müssen sie zwischen 3 und 10 μm groß sein, sind sie kleiner, können sie bis in die Lungenbläschen vordringen.

Tipp: Sie möchten ein Inhaliergerät anschaffen? Bei der Vielzahl von Geräten, Systemen und Herstellern (z. B. aponorm, Beurer, MPV Medical, Omron, Pari) ist die Auswahl gar nicht so einfach. Lassen Sie sich deshalb in Ihrer Apotheke beraten, welches Gerät für Sie am besten passt.

Richtig inhalieren mit Vernebler

Wenn Sie sich für ein Inhaliergerät entschieden haben, lesen Sie die Betriebsanleitung sorgfältig. Darin steht auch, wie Sie das Inhalat einfüllen. Bei dessen Auswahl haben Sie die freie Wahl: Isotone Kochsalzlösung eignet sich zum Beispiel besonders gut zur Befeuchtung der Atemwege. Erhältlich sind fertige Ampullen wie zum Beispiel Pari NaCl Inhalationsampullen oder Emser®Inhalationslösung. Wer zusätzlich Schleim lösen möchte, kann es mit hypertoner Kochsalzlösung probieren (zum Beispiel MucoClear3% oder Isomar 3% hypertone Meersalzlösung). Prinzipiell lassen sich auch Medikamente wie Kortison, Salbutamol oder Ipratropiumbromid per Vernebler inhalieren, sofern Ihr Arzt Ihnen diese verschrieben hat. Neben dem Inhalat spielt auch die Technik eine Rolle:

  • Atmen Sie langsam und tief ein
  • Sitzen während der Inhalation aufrecht oder stehen Sie dabei
  • Halten Sie den Vernebler senkrecht
  • Tauschen Sie aus hygienischen Gründen jährlich Maske und Schlauch aus
  • Um Ansteckungen zu vermeiden sollte jedes Familienmitglied seinen eigenen Vernebler benutzen.

Quelle: Birgit Benedek, DAZ 2018, Nr. 51, S.37

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:absolutimages/Shutterstock.com

Toxisches Schocksyndrom bei Frauen

Menstruationshygiene beugt vor

Zwar sind nicht nur Frauen betroffen – dennoch ist das toxische Schocksyndrom noch immer vor allem als „Tamponkrankheit“ bekannt. Mit welchen Maßnahmen Frauen ihr Ansteckungsrisiko minimieren.

Häufig junge Menschen betroffen

Blutvergiftung, Lungenentzündung, Endokarditis: Das Bakterium Staphylococcus aureus ist an vielen lebensbedrohlichen Erkrankungen beteiligt. Dazu gehört auch das toxische Schocksyndrom (TSS). Zumeist kommt es bei jungen Menschen vor, die bislang keinen Kontakt mit dem Erreger hatten und deren Körper darum noch keine Antikörper gebildet hat. Beschwerden treten nach einer Ansteckung schnell auf, typisch sind Kopfschmerzen, Schwindel, hohes Fieber, Blutdruckabfall und sonnenbrandähnlicher Hautausschlag. Im Falle einer Ansteckung ist grundsätzlich ein Arzt aufzusuchen.

Tampons häufig wechseln, um TSS vorzubeugen

Früher galt das TSS als Menstruationskrankheit, die vor allem durch den Gebrauch hochsaugfähiger Tampons entstünde. Zwar ist mittlerweile klar, dass die meisten Infektionen nicht-menstruell erfolgen – zum Beispiel über Hautwunden oder als Grippe-Komplikation, weshalb auch Männer und Kinder vom TSS betroffen sind. Dennoch empfiehlt sich für Frauen eine gute Menstruationshygiene, um kein unnötiges Risiko einzugehen:

  • vor und nach dem Einführen eines Tampons gründlich die Hände waschen
  • die Stärke des Tampons der aktuellen Blutungsstärke anpassen
  • an Tagen mit stärkerer Blutung den Tampon alle 3 bis 6 Stunden wechseln, ansonsten alle 6 bis 8 Stunden
  • den Tampon vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen wechseln.


Fragen zur Menstruationshygiene können in der frauenärztlichen Sprechstunde gestellt werden.

Quelle: Frauenärzte im Netz

| Von: Leonard Olberts Bildrechte:gpointstudio/Shutterstock.com

Jogger leben länger

Eine Stunde Laufen reicht

Joggen hält gesund. Sogar unabhängig davon, wie intensiv man seine Runden dreht: Schon etwa 50 Minuten Laufzeit pro Woche lassen Jogger länger leben als Nicht-Jogger, ergab nun die aktuelle Analyse von 14 Studien zum Thema Joggen und Gesundheit.

Herz-Kreislauf-Risiko reduziert

Schützt Joggen vor dem frühzeitigen Tod an Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs? Dieser Frage ging ein Forscherteam mit Hilfe einer Metaanalyse nach. Dafür berücksichtigten sie die Daten von 14 Studien, in denen bei insgesamt mehr als 230 000 Teilnehmern der Zusammenhang zwischen Joggen und Todesart untersucht worden war. Ausgeschlossen wurden die Daten von Menschen, die schon zu Studienbeginn an Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen litten.

Besonders interessant für alle, die glauben, zu wenig Zeit für das Lauftraining zu haben: Die Analyse zeigte nicht nur, dass Jogger im Vergleich zu Nicht-Joggern ein niedrigeres Risiko haben, an Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen zu versterben (30% bzw. 23%). Es kam auch heraus, dass man sich für diesen positiven Effekt gar nicht so lange quälen muss.

Schon einmal Laufen pro Woche bringt etwas

Denn die errechnete Verminderung der Sterblichkeit hing nicht von der Dauer oder der Häufigkeit der Läufe ab. Schon wer nur einmal wöchentlich oder insgesamt etwa 50 Minuten pro Woche seine Runden drehte, profitierte von dem Jogging-Effekt. Eine Art Dosis-Wirkungs-Kurve ließ sich anhand der Daten nicht darstellen, mehr Laufen reduzierte die Sterblichkeit also nicht automatisch.

„Joggen, egal wie viel, ist in jedem Fall besser als nicht zu joggen“, folgern die Studienautoren aus den Ergebnissen. Für kranke Menschen müsse jedoch individuell entschieden werden, welche sportliche Betätigung angebracht ist und in welcher Intensität sie ausgeführt werden soll.

Quelle: BMJ

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Dejan Stanic Micko/Shutterstock.com

Masern schwächen Immunsystem

Abwehr langfristig beeinträchtigt

Eine Masernerkrankung ist nicht nur aufgrund ihrer direkten Komplikationen wie z. B. einer Masern-Gehirnentzündung gefährlich. Masernviren schädigen das gesamte Immunsystem so nachhaltig, dass die betroffen Kindern in den nächsten Jahren ein erhöhtes Risiko für weitere Infektionskrankheiten haben.

Immungedächtnis massiv gestört

Auch wenn es Impfgegner immer wieder behaupten: Masernviren sind alles andere als harmlos und können einen weitaus größeren Schaden anrichten als Hautausschlag mit Juckreiz. Dabei drohen nicht nur die bekannten akuten Komplikationen wie Lungen- und Gehirnentzündungen. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Masern das Immunsystem langfristig erheblich schwächen.

So ergab die Analyse der Blutproben von 77 Masernkindern, dass Masernviren neben den B- und T-Lymphozyten noch zahlreiche weitere Zellarten des Immunsystems befallen und zum Absterben bringen. Besonders stark waren die Gedächtniszellen betroffen, also die Zellen, die gegen ein Antigen sensibilisiert sind und bei erneutem Kontakt für eine schnelle Abwehrreaktion sorgen.

Auch Antikörper eliminiert

Doch Masernviren zerstören nicht nur die Zellen des Immunsystem. Sie machen auch kurzen Prozess mit den im Blut zirkulierenden Antikörpern. 2 Monate nach der Maserninfektion waren im Blut der Kinder bis zu 73% der ursprünglich vorhandenen und gegen die verschiedensten Erreger gerichteten Antikörper verschwunden. Das bedeutet, dass die betroffenen Kinder gegen diese Erreger für einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren weniger gut geschützt waren.

Eine Infektion mit Masernviren fördert deshalb nicht etwa die Immunabwehr, wie Impfgegner behaupten. Stattdessen schwächen Masernviren das Immunsystem, bewerten die Forscher ihre Ergebnisse. Zwar baut es im Laufe der Jahre erneut Antikörper auf. In der Zwischenzeit können Krankheiten aber deutlich heftiger ausfallen. Hundertausende Todesfälle sollen den Studienautoren zufolge auf das Konto eines maserngeschwächten Immunsystems gehen.

Impfen schützt vor Masern und vor Abwehrschwäche

Die Impfung selbst hinterlässt keine derartige Immunschwäche. Im Gegenteil: Sie sorgt durch Verhütung der Maserninfektion dafür, dass Maserviren ihren immunschwächenden Einfluss gar nicht erst ausüben können. Auch Kinder mit Masern könnten von der Impfung noch profitieren, mutmaßen die Forscher. Denn womöglich ließen sich die Langzeitfolgen auf das Immunsystem durch eine Impfung während der Erkrankung abmildern.

Quelle: Science

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Aleksandra Suzi/Shutterstock.com

Platzangst ist gut behandelbar

Bewegungsfrei dank Psychotherapie

Personen mit Agoraphobie verspüren an bestimmten Orten eine starke Angst. Dies kann ihre Bewegungsfreiheit stark einschränken. Doch es gibt Behandlungsmöglichkeiten.

Panikstörung oft als Begleitsymptom

Ausgelöst wird Agoraphobie in der Regel durch spezifische Orte oder Situationen. „Platzangst tritt typischerweise bei Aufenthalten an großen, weiten Orten und öffentlichen Plätzen auf“, erklärt Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Sitz in Krefeld. „Doch auch enge, überfüllte Räume sind problematisch, wie beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel, Kinos oder enge Supermärkte. Betroffene leiden unter großer innerer Anspannung und einer starken emotionalen Belastung.“ Personen mit Agoraphobie fürchten sich, bei Vorfällen nicht schnell genug Hilfe zu erhalten oder fliehen zu können. Auch die Sorge vor beschämenden Situationen kann im Zentrum der Angst stehen. Oft löst allein der Gedanke an diese Orte oder Situationen eine Angstattacke aus. Zu Hause oder in Anwesenheit einer vertrauten Person fühlen sich viele Betroffene sofort sicherer und die Angst verschwindet.
Parallel zu dieser Angst können Betroffene eine Panikattacke erleben, die losgelöst von spezifischen Auslösern auftritt. „Eine Panikattacke geht mit überwältigenden Symptomen wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel und auch Entfremdungsgefühlen bis hin zur Todesangst einher“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Köhler. „Solche Attacken sind nicht vorhersehbar und können Betroffene zutiefst erschüttern und verunsichern. Im Mittel dauern sie etwa 30 Minuten an“. Körperliche Ursachen dieser physischen Anzeichen können nicht festgestellt werden. Im Zuge der Panikstörung entwickeln viele der Betroffenen zusätzlich eine Angst vor der Angst, die von Fachärzten als Erwartungsangst bezeichnet wird.

Behandlung: Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente

Der Agoraphobie zugrunde liegen häufig persönliche Krisen, die von den Betroffenen als existenziell bedrohlich empfunden werden. Die Patienten unterschätzen oft ihre Bewältigungsmöglichkeiten, auf diese Anforderungen zu reagieren. Dies beeinträchtigt zugleich ihr Selbstwertgefühl. „Mit einer gezielten psychotherapeutischen Behandlung kann Menschen, die unter Panikattacken und Agoraphobie leiden, aber in relativ kurzer Zeit geholfen werden“, rät Dr. Köhler. „Günstig ist immer eine möglichst zeitnahe Therapie – auch damit sich keine Folgeerkrankungen wie eine Depression oder eine Suchterkrankung entwickeln.“ Besteht eine ausgeprägte Angststörung, erwägen Fachärzte eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

| Von: Julia Schmidt Bildrechte:Miss Ty/Shutterstock.com

Was hilft gegen Haarausfall?

Vererbt, verstärkt oder kreisrund

Jeder Mensch verliert etwa 100 bis 150 Haare am Tag – das ist völlig normal und gehört zum Haarlebenszyklus dazu. Die ausgefallenen Haare machen nämlich die Haarwurzeln für ein gesundes, neues Haar frei. Doch was hilft, wenn deutlich mehr Haare ausfallen?

Oft sind die Gene Schuld

Übermäßiger Haarausfall hat viele Gründe. Eine der häufigsten Formen ist der erblich bedingte Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie, die sich bei Männern und Frauen etwas unterscheidet.

  • Bei Männern beginnt der erblich bedingte Haarausfall oftmals im frühen Erwachsenenalter. Bemerkbar macht er sich durch Geheimratsecken, eine Tonsur oder eine Glatze.
  • Bei Frauen wird das Kopfhaar vor allem im Scheitelbereich lichter – eine Glatze entsteht in der Regel nicht. Die androgenetische Alopezie beginnt häufig erst nach den Wechseljahren, wenn die Östrogen-Level sinken.

Gegen den erblich bedingten Haarausfall gibt es eine Vielzahl von angepriesenen „Wundermitteln“. Hier ist Vorsicht angesagt: Bei vielen der kosmetischen Mittel fehlt jeder Wirknachweis. Im Moment in Handel sind der Wirkstoff Minoxidil oder – bei Männern – auch das rezeptpflichtige Finasterid.

Einsparmodus unter Stress

Auch psychischer Stress, ein Nährstoffmangel, hormonelle Schwankungen (z. B. in den Wechseljahren), eine Hormonersatztherapie oder bestimmten Medikamente können zu einem vermehrten Ausfallen von Haaren führen. Grund hierfür ist, dass der Körper unter Stress – egal welcher Ursache – alle Funktionen einschränkt, die nicht überlebensnotwendig sind. Das lässt sich neben dem Nagel- und Haarwachstum z. B. auch gut beim Muskelaufbau beobachten.

Nach besonders traumatischen Ereignissen, wie z. B. nach einem Autounfall, kann es sein, dass die Haare sofort ausfallen. Häufiger ist jedoch der subakute Haarausfall, bei dem ein Stressfaktor über längere Zeit besteht. Dann fallen die Haare langsam und etwa zwei bis drei Monate später aus. In diesem Fall hängt die Therapie von dem Auslöser ab. Meist sind es mehrere Ursachen, z.B. eine Mischung aus psychischem Stress und Nährstoffmangel.

Die Haarbehandlung besteht dann aus zwei Dingen: spezielle Zubereitungen, wie z. B. Minoxidil-Lösungen, werden direkt auf die Kopfhaut gegeben und stimulieren die Haare. Des Weiteren wird der Hautarzt Nährstoffe empfehlen, die das Haarwachstum fördern. Diese nimmt der Patient entweder ein, z. B. als Tabletten, oder der Hautarzt injiziert sie direkt einige Millimeter unter die Kopfhaut (Mesotherapie).

Mikronährstoffe können die Behandlung unterstützen – allerdings nur dann, wenn auch ein Mangel besteht. Denn fehlen dem Körper Spurenelemente, wie Eisen und Zink, oder Vitamine, wie Vitamin B12, kann dies einen Haarausfall begünstigen. Tipp: die Grünalge Chlorella ist reich an Vitamin B12 sowie Eisen und kann als pflanzliches Produkt auch von Veganern eingenommen werden.

Typische Kreisform bei Autoimmunerkrankungen

Die dritthäufigste Form ist der „kreisrunde Haarausfall“, die sogenannte Alopecia areata. Typisch sind hier runden, kahlen Stellen auf dem Kopf. Verursacht wird diese Form des Haarausfalls vermutlich durch eine Autoimmunerkrankung. In diesem Fall sollte man auf keinen Fall selbst experimentieren, sondern lieber einen Arzt aufsuchen.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung und Allgemeinarzt-online

| Von: Dr. Silke Kescher-Hack Bildrechte:IlyaAndriyanov/Shutterstock.com

Plötzliche Gesichtslähmung

Auch „harmlose“ Ursache möglich

Ein hängender Mundwinkel, plötzlich erschlaffte Gesichtsmuskeln – Symptome, die sofort an einen Schlaganfall denken lassen. Doch nicht immer steckt eine gefährliche Erkrankung dahinter.

Bei plötzlicher Gesichtslähmung immer zum Arzt

Eine plötzlich auftretende, halbseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur muss immer zeitnah abgeklärt werden. Im schlimmsten Fall weist sie auf einen Schlaganfall hin, in manchen Fällen liegt hingegen nur eine idiopathische Fazialisparese zugrunde. Im Gegensatz zu einem Schlaganfall ist diese weniger akut und bildet sich in der Regel innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig zurück. „Bei der idiopathischen Fazialisparese kommt es typischerweise zu einem hängenden Mundwinkel sowie gelegentlich auch Missempfindungen in Bereich der gleichen Wange“, berichtet Prof. Dr. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Oftmals ist das Schließen des Augenlids nicht vollständig möglich und es können Geschmacksstörungen auftreten sowie seltener eine Überempfindlichkeit gegenüber Schall.“

Behandlung: Arznei und Krankengymnastik

Ursächlich für eine idiopathische Fazialisparese ist eine zeitweise Funktionsstörung des Gesichtsnervs, hervorgerufen etwa durch eine Überreizung oder Entzündung des Nervs. Um die Rückbildung der Lähmung zu fördern, empfehlen viele Mediziner die Einnahme von entzündungshemmenden Mitteln. Unterstützend wirken krankengymnastische Übungen, die nach vorheriger Anleitung selbst vor einem Spiegel durchgeführt werden können. Ist der Lidschluss nicht mehr komplett ausführbar, helfen künstliche Tränen, die Augen vor dem Austrocknen zu bewahren.

Quelle: Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)

| Von: Sandra Göbel Bildrechte:YAKOBCHUK VIACHESLAV/Shutterstock.com

Blutdrucksenker abends einnehmen?

Weniger Herzinfarkte

Viele Menschen mit hohem Blutdruck schlucken ihre Blutdrucksenker gleich morgens nach dem Aufwachen. Schon lange ist aber in Diskussion, ob nicht die abendliche Einnahme von Blutdrucksenkern besser ist. Dafür sprechen auch die Ergebnisse einer aktuellen spanischen Studie.

Abendliche Einnahme wirksamer

Um Folgekrankheiten und Blutdruckspitzen zu vermeiden, ist bei Bluthochdruck die tägliche Tabletteneinnahme Pflicht. Weil morgens und nachmittags meist besonders hohe Werte gemessen werden, raten viele Ärzte dazu, die Blutdrucksenker morgens zu schlucken. Der richtige Einnahmezeitpunkt von Hochdruckmedikamenten wird jedoch immer wieder diskutiert. Ob nun die Einnahme am Morgen oder am Abend besser ist, wollten spanischen Forscher anhand einer Studie mit über 19 000 Hochdruckpatienten klären.

Die Hälfte der Studienteilnehmer wurde aufgefordert, ihren Blutdrucksenker abends einzunehmen, die andere Hälfte schluckte ihn nach dem Aufwachen. Innerhalb der nächsten 6 Jahre prüften die Ärzte mindestens einmal jährlich den Blutdruck mit einem Langzeitblutdruckmesser, der 48 Stunden am Körper getragen wurde. Dabei zeigte sich, dass die abendliche Einnahme den Blutdruck besser senkte, und zwar sowohl tagsüber als auch nachts.

Herzinfarkt-Risiko halbiert

Die abendliche Einnahme reduzierte auch ernsthafte Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. In der Abendgruppe war das Risiko, daran zu sterben, fast um die Hälfte niedriger als bei den Bluthochdruckpatienten, die ihre Blutdrucksenker morgens einnahmen. Das passt zu Ergebnissen früherer Untersuchungen, bei der vor allem Schlaganfall und Herzinfarkt in Verbindung mit erhöhten nächtlichen Werten gebracht werden.

Langzeitblutdruck-Messung bestimmt Einnahmezeitpunkt

Für viele Patienten mag die abendliche Einnahme ihrer Blutdrucksenker besser sein als die Einnahme nach dem Aufwachen. Eine generelle Empfehlung dafür möchten die Autoren trotz dieser Ergebnisse nicht geben, denn für eine wirksame Therapie müssten auch Faktoren wie der persönliche Tag-Nacht-Rhythmus und z. B. Schichtarbeit mit einbezogen werden. Sinnvoll sei es aber, aufgrund von Langzeitblutdruckmessungen individuell zu entscheiden, ob morgens oder abends der bessere Einnahmezeitpunkt für den Patienten ist.

Quelle: Ärzteblatt

| Von: Dr. med. Sonja Kempinski Bildrechte:Andrey_Popov/Shutterstock.com

Keine Kuhmilch nach der Geburt

Risiko Nahrungsmittelallergie

Wer seinem Baby in den ersten Lebenstagen Kuhmilch zufüttert, riskiert vielleicht, dass das Kind eine Nahrungsmittelallergie entwickelt. Das gilt vor allem für Neugeborene aus Allergie-belasteten Familien, wie japanische Forscher kürzlich herausgefunden haben.

Zuckerwasser oder Kuhmilch

Das Beste fürs Baby ist die Muttermilch – deshalb empfiehlt man in japanischen Geburtskliniken konsequent das Stillen. Doch in Japan wollen viele junge Eltern ihrem Kind die ersten Lebenstage zusätzlich versüßen: Früher erhielten die Säuglinge dafür etwas Zuckerwasser, heute geben die frischgebackenen Eltern ihren Neugeborenen gerne ein wenig Kuhmilch dazu. Nun ist auch in Japan die Zahl der Nahrungsmittelallergien gestiegen, eine mögliche Ursache soll die frühe Gabe von Kuhmilch sein.

Dies zu prüfen war Ziel einer Studie an 312 Neugeborenen, die aufgrund familiärer Veranlagung schon ein erhöhtes Allergierisiko hatten. Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Kuhmilch-Gruppen-Kinder erhielten in den ersten 3 Lebenstagen täglich bis zu 5 ml Kuhmilch zusätzlich zur Muttermilch, Kinder der Vergleichsgruppe bekamen, wenn erforderlich, eine auf Aminosäuren basierte Ersatzkost.

Mehr Antikörper, mehr Nahrungsmittelallergien

An ihrem zweiten Geburtstag wurden die Kinder einbestellt und untersucht, ob sie gegen Kuhmilcheiweiß sensibilisiert waren. Dazu bestimmten die Forscher die IgE-Antikörper im Blut. Von den Kindern, die in ihren ersten 3 Lebenstage kuhmilchfrei ernährt worden waren, wiesen nur 24 (16,8%) erhöhte IgE-Werte auf. Bei den Kuhmilch-Kindern waren dies signifikant mehr, nämlich 46 Kinder (32,2 %).

Solche IgE-Tests sind zwar ein Hinweis, aber bezüglich der Allergiediagnose nicht allein beweisend. Deshalb untersuchten die Forscher die Kinder auch auf tatsächlich allergische Beschwerden. Tatsächlich litten unter einer klinischen, also bemerkbaren und im Test provozierbaren Nahrungsmittelallergie nur 4 der kuhmilchfreien, aber 20 der Kinder aus der Kuhmilch-Gruppe.

Der richtige Kuhmilch-Zeitpunkt bleibt unklar

Nach diesen Ergebnissen sollten vor allem Neugeborene, in deren Familien schon Nahrungsmittelallergien bekannt sind, in den ersten Lebenstagen keine Kuhmilch erhalten. Auch in den Wochen danach war das Sensibilisierungsrisiko geringer, je später die Kuhmilch auf den Ernährungsplan der Babys trat, berichten die Studienautoren.

Doch wann genau der richtige Zeitpunkt für Kuhmilch ist, muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Frühere Studien legen nahe, dass eine zu späte Exposition das Risiko für eine Sensibilisierung gegen Kuhmilchproteine ebenfalls erhöhen kann.

Quelle: Ärzteblatt

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Nächtliches Asthma: Was tun?

Hustenanfälle im Schlaf lindern

Nächtliche Hustenanfälle sind für Asthma-Patienten besonders belastend. Lässt sich der potenzielle Auslöser herausfinden, können die Beschwerden aber gelindert werden.

Auslöser für nächtliches Asthma herausfinden

Asthma-Patienten haben in der Nacht ein besonders hohes Anfallrisiko. Die Weite der Bronchien unterliegt nämlich einem Tag-Nacht-Rhythmus: Tagsüber sind sie geweitet, nachts eher verengt. „Dieser Rhythmus tritt bei allen Menschen auf, bei Asthmatikern können sich die Beschwerden aber dadurch verstärken“, erklärt Lungenfacharzt Dr. Andreas Hellmann. „Außerdem kann eine liegende Position während des Schlafens den Atemwiderstand erhöhen, weil sich Sekrete zum Beispiel aus den Stirn- und Nasennebenhöhlen in den Atemwegen ansammeln. Zugleich fließt beim Liegen mehr Blut in die Lunge, so dass sich das Lungenvolumen verringert.“
Hellmann rät, die nächtlichen Asthmabeschwerden dem behandelnden Lungenarzt mitzuteilen, um gemeinsam mit ihm die Ursache herauszufinden. Nimmt der Patient Medikamente, ist zuallererst deren Dosierung zu überprüfen. Daneben müssen Risikofaktoren für nächtliche Asthmaanfälle überprüft werden. So lässt Sodbrennen durch den Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre die Bronchien verkrampfen, während Allergien eine Entzündung der Bronchialschleimhaut und dadurch eine verlängerte Engstellung der Atemwege nach sich ziehen können.

Asthma-Patienten sollten Plan mit Lungenarzt aufstellen

Die Therapie nächtlicher Asthmaanfälle richtet sich nach der ermittelten Ursache und ist zumeist medikamentös. „Betroffene sollten gemeinsam mit ihrem Lungenarzt bzw. ihrer Lungenärztin einen Plan aufstellen, wie sich potenzielle Auslöser und Trigger und damit die nächtlichen Asthmabeschwerden vermeiden lassen“, rät Hellmann.

Quelle: Lungenärzte im Netz

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